Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 370)
- Language
- German, English, Hebrew
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Die Zionistische Organisation ist nur in bescheidenem Maße Arbeitgebern!; vielleicht können wir hoffen, daß, wenn wir das verlangte Budget bekommen werden, wir mit dem Bau einiger Anstalten und Schulen werden beginnen können. Vielleicht wird es auch einige städtische Arbeit, bei einigen industriellen Anlagen und bei der städtischen Hypothekenbank geben. Auf diese Weise wird sich auch ein Kontakt mit dem Keren Hajessod ergeben. Es ist in diesem Saale davon gesprochen worden, daß man seine Bücher zu Ende lesen soll. Wenn wir zur Arbeitsfrage kommen, möchte ich einen ganz andern Rat geben. Anstatt die ökonomischen Bücher zu Ende zu lesen, möchte ich raten, alle Bücher über Oekonomie, Marx eingeschlossen, ins Feuer zu stecken. Ich würde Ihnen raten, die Arbeiterfrage und Arbeiterbewegung in Palästina mit eigenen Augen anzusehen. Sie würden sehen, daß die Bedingungen ganz andere sind als in anderen Ländern. In erster Linie sind unsere Chaluzim Jungen von hellem Geiste, aber nicht von großer Geschicklichkeit. Sie lernen erst in Palästina, Arbeiter zu werden. Sie lernen es unter den schwersten Bedingungen, in einem neuen Klima, unter ganz neuen Verhältnissen, unter ganz andern Lebensbedingungen als in ihrem Heimatlande. Es braucht einige Wochen oder Monate, bis man aus einem Chaluz einen tüchtigen Arbeiter machen kann. Es hat auch viel Geld und Arbeit gekostet, bis man aus ihnen Farmer gemacht hat. Aehnlich ist es mit den Arbeitern. Die Leiter der Arbeiterbewegung haben diese Schwierigkeiten vorausgesehen und sie durch Gründung einer kooperativen Arbeitsorganisation zu überwinden gesucht. Die jüdische Arbeiter-Kooperative hat mit großem Erfolg den Bau von Chausseen und die Finanzierung von Eisenbahnen durchgeführt. Sie ist jetzt beschäftigt mit Friedhofsbauten, mit Haus- und Eisenbahnbauten. Die Leiter der Arbeiterbewegung haben die Arbeit gegeben und der Waad Hazirim das Kapital. Dieses Betriebskapital wurde in zwei Fonds gegeben. Der erste war der Equipment Fund, zur Anschaffung von Betten, Zelten, Inventar, Matratzen usw. Das zweite war eine Anleihe für die Bezahlung des Essens für die Arbeiter während der ersten Wochen der Arbeit, bis man eine Zurückzahlung von den Arbeitgebern bekommt. Der Waad Hazirim hat voriges Jahr in dieser Weise ungefähr 40 000 Pfund gegeben. Ich glaube die Arbeiterkooperative und Waad Hazirim haben beide viel Fehler gemacht. Wir haben dieser Unternehmung nicht genug Betriebskapital gegeben. Wir glaubten in unserer Ignoranz, daß in den ersten 2 bis 3 Wochen die Zurückzahlungen erfolgen würden. Die Erfahrung mit der Regierung hat bewiesen, daß die Bezahlung erst nach den ersten Monaten erfolgt ist. Wir glaubten, daß der Chaluz seine Ernährungskosten sofort durch seine Arbeit gewinnen könne. Auch das ist ein Irrtum. Er muß eine Zeitlang als Lehrling betrachtet werden. Es waren auch viele Fehler in der Einrichtung der Küche. Aber wir 360