Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 358)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4648-3480792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
unendlich besser daran. Er braucht für seine Wirtschaft weniger Gebäude, weniger Geräte und er kann seinen Dünger viel besser ausnützen. Aber auch in Pflanzungen können wir einen höheren Grad der Intensität erzielen, wenn der Kolonist eine nur kleine Pflanzung sein Eigen nennt. In Monte Algaida haben die Kolonisten nur 2 ha Weinberge, daneben ihren kleinen Selbstversorgergarten für die eigenen Bedürfnisse. Die Art, wie Fruchtbäume in Japan gepflegt werden, verdient die größte Nachahmung bei uns. Wir müssen eine Qualitätsware erzeugen. Wir müssen die Einzelpflanze mehr pflegen und das Erzeugnis sorgfältiger behandeln. Kurzum, Intensität auf allen Gebieten des Landbaues wird uns eine viel bessere Ausnützung unseres Landbesitzes in Palästina gestatten, das ist eine intensive Kolonisation. Die Reorganisations-Kommission, die Ende vorigen Jahres nach Palästina ging, empfahl in ihrem Bericht den langsamen Uebergang von Extensität des Betriebes zur Intensität. Eines der Mitglieder der Kommission war zwar vor seiner Reise nach Palästina unbedingter Anhänger meiner Forderungen, dort wurde er aber eines bessern belehrt. Erst müßten die Ansiedler durch schwere Pionierarbeit größere Flächen extensiv bearbeiten und dann langsam zu einem höheren Grad der lntensivität übergehen. Auf den ersten Blick scheint der Ideengang plausibel. Er ist aber falsch. Die Herren hätten vielleicht recht, wenn es sich darum handelte, die schon ansässigen Kolonisten oder aber die Fellachen von der herkömmlichen Anbauweise zu einer höheren, vervollkommneten zu überführen. Hier könnte man nur schrittweise vorgehen. Aber wir sollen ja neue Leute ins Land bringen, die keine Ahnung von Agrikultur haben. Sollen wir diesen Leuten erst die veralteten, schweren und wenig Erfolg bringenden Methoden beibringen und sie später gewissermaßen aus der Extensität erlösen? Wäre es plausibel, einen jungen Mann, der Schuster werden will, erst Holzpantinen schnitzen zu lassen, die eine einfachere, sagen wir, die extensive Fußbekleidung darstellen, dann Flicken aufsetzen lernen usw., statt ihn mit den modernsten Maschinen, Geräten und Methoden zu versehen, um möglichst gute, elegante und möglichst viele Schuhe erzeugen zu lassen? Uebergang in Ländern mit einer bestehenden landwirtschaftlichen konservativen Bauernschaft, das verstehe ich noch. Aber in Palästina mit unserem neuen, landwirtschaftlich vorurteilslosen Siedlungselement ist nur Intensivismus von Erfolg. Ich höre einen weiteren Einwand gegen mein System. Was ich vorschlage, ist ja Nachahmung anderer Länder und Völker. Ich übertrage das, was ich unter anderen Bedingungen und bei Völkern von anderem Charakter gesehen habe, blindlings auf Palästina. Nun, meine Damen und Herren, war das nicht Nachahmung, was wir bis jetzt in Palästina getrieben haben? Haben wir da nicht 348