Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 353)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bemühungen der Landwirte in den gemäßigten Zonen sind darauf gerichtet, auf künstliche Weise Wärme und Licht zu beschaffen. Und dann das Fehlen von Frösten, die völlige Trockenheit etwa 6 Monate lang! Das sind überaus wertvolle Vorzüge Palästinas, die leider bislang nicht genügend geschätzt wurden. Sie alle haben von Kalifornien gehört mit seinen wundervollen Pflanzungen, die ich zu Anfang dieses Jahres besucht habe. Wir können Besseres schaffen, denn das Klima Palästinas ist besser als das Klima Kaliforniens: Wir haben fast nie Temperaturen unter Null, während dort Nachtfröste nicht selten sind. Sie kennen Aegypten. Unser Klima ist besser als das Aegyptens, das fast keinen Regen kennt und nur dort kultiviert ist, wohin das Nilwasser reicht, während wir etwa 550 mm Regen im Jahre haben, die für die Landwirtschaft sehr gut verteilt sind. Palästina ist klimatisch unbedingt ein Vorzuggebiet. Es ist dies auch geographisch, was jedermann weiß. Sie werden sich fragen, was hat diese Vorlesung über die Geographie Palästinas auf einem Kongreß für einen Sinn? Das ist nicht der Platz dafür. Nun, meine Damen und Herren, was ich hier darüber in Kürze sage, ist eine Ehrenrettung unseres Landes, oder wenn Sie wollen, seine Neuentdeckung. Denn Palästina wird von seinen bisherigen Kolonisatoren nicht gekannt und ist von ihnen verkannt! Wir haben in Palästina Verschwendung getrieben mit Land und Sonne. Die Intensität der Sonne reichte aus, um auf kleineren Flächen dasselbe Produkt zu erzielen. Man ahmte aber Methoden gemäßigter Zonen und Länder von großer Ausdehnung nach, gab den Kolonisten größere Flächen, als sie selbst zweckmäßig bearbeiten konnten. Unsere Kolonisation ist jetzt gekennzeichnet durch den Kampf mit der Fläche und als Folge., davon durch den Kampf mit dem Arbeiter, den der Kolonist zur Bewältigung der Fläche nötig hatte. Wir haben nicht einen Kolonisten angesetzt, sondern neben ihm und mit ihm zwei arabische und im besten Falle einen jüdischen Arbeiter. Diese soziale Ungerechtigkeit ist haarsträubend. Mein System der intensiven Kolonisation sucht das alles zu vermeiden: Der Ansiedler erhält eine Fläche, die ihn ernähren soll durch seiner Hände Arbeit. Ich schaffe keine gottgewollte Abhängigkeit, indem ich Kolonisten und Häusler ansetze, die bei den ersteren in Lohn arbeiten, sondern ich kenne nur Kolonisten. Ich gebe dem Kolonisten eine Fläche, die gerade groß genug ist, um mit seiner und seiner Angehörigen eigener Kraft bearbeitet zu werden. Die Fläche kann und muß klein sein, da wir in Palästina ein vorzügliches Klima haben, das die Pflanzenzelle das ganze Jahr hindurch arbeiten läßt. Ich spreche, wie Sie sehen, in erster Linie von dem Klima, von der Sonne Palästinas. Denn das ist das wertvollste Kapital unseres Landes, das sich nicht künstlich beschaffen läßt. Die Bodenqualität ist von geringerer Bedeutung. Wir können sie auf kleineren Flächen verbessern. Aber die Sonne durch künst- 343