Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 329)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sie wissen ja, daß Davis Trietsch diese Form der Siedlung besonders propagiert. Zwar wird sie nicht für alle Handwerker möglich sein, weil diejenigen, welche ihre Kunden in der Stadt haben, in der Regel auch dort ihre Arbeitsstätte haben müssen. Wenn aber der Handwerker gezwungen ist, täglich mehrmals den Weg von seiner Wohnstätte zur Arbeitsstätte zu machen, so wird durch den Zeit- und Geldverlust der Nutzen der gartenstädtischen Ansiedlung größtenteils illusorisch. Dagegen kann die gartenstädtische Ansiedlung für alle diejenigen Handwerker und Industriellen von Bedeutung sein, welche bestimmte Stapelartikel herstellen oder für den Export arbeiten und nicht genötigt sind, in der Nähe ihrer Kunden in der Stadt zu arbeiten. In Palästina sind in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Vereinen und Gesellschaften gegründet worden, welche die Gründung einer gartenstädtischen Siedlung für ihre Mitglieder zum Ziele haben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch unter den neuen Einwanderern diese Bestrebungen Platz greifen werden. — Es ist wünschenswert, alle diese Bestrebungen zu organisieren und dafür zu sorgen, daß bei der Ausführung dieser Projekte die besten Erfahrungen in allen Ländern auf dem Gebiete gartenstädtischer Siedlung benutzt werden. Aus diesem Grunde beabsichtigen wir in Palästina ein besonderes Dezernat für gartenstädtische Siedlung zu schaffen. Außer der Landwirtschaft, dem Bauwesen und der Industrie bietet in Palästina auch das Verkehrswesen durch die Errichtung von Hotels, durch die Ausgestaltung des Transportwesens gewisse Erwerbsmöglichkeiten, die leider von privaten Unternehmern bisher noch zu wenig ausgenutzt worden sind. Gibt es doch noch in ganz Palästina kein einziges jüdisches Hotel, das in eigenen Hotelräumen untergebracht wäre und den Ansprüchen europäischer Touristen entsprechen würde. Auch die Gründung von Geschäftsvierteln mit Läden und Bureau- Räumen, wie sie in Jaffa mit Hilfe unserer ägyptischen Freunde begonnen ist, bietet in Jerusalem und Haifa große Aussichten. Ich hoffe, daß es uns wie bisher so auch in Zukunft gelingen wird, einige tausend junge Leute bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung, sowie bei Ameliorierungsarbeiten, die von zionistischen Gesellschaften unternommen werden, zu beschäftigen. Es kann natürlich nicht die Aufgabe der Zionistischen Organisation sein, die ganze Einwanderung nach Palästina aus ihren Mitteln zu finanzieren. Das würde über unsere Kräfte bei weitem hinausgehen. Die Zionistische Organisation kann mithelfen, aber sie kann nicht alle Einwanderer auf ihren Schultern tragen. Sie soll durch landwirtschaftliche Ansiedlung, durch Kredite zum Häuserbau, durch Kredite für Industrie und Handwerk den Einwanderern die Etablierung erleichtern und auf diese Weise dem ganzen wirtschaftlichen Leben Anstoß und Schwung geben. Aber die Zionistische Organi- 319