Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 328)
- Language
- German, English, Hebrew
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der Projekte betreiben. Für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas durch Privatinitiative sollte es keine Parteiung geben. Hier muß Waffenstillstand herrschen und es muß und kann, wenn nicht gemeinsame, so wenigstens verteilte Arbeit erfolgen. Zum Zwecke der Heranziehung von privaten Kapitalisten für industrielle Unternehmungen müssen wir das wirtschaftliche Informationswesen entwickeln. Ich verstehe hierunter nicht nur die Erteilung von Auskünften auf Anfragen wirtschaftlicher Art, sondern die systematische Bekanntmachung aussichtsreicher Projekte, um zu jedem Projekt schließlich den Fachmann und das Kapital zu finden. Das Informationswesen war bisher das Stiefkind der Zionistischen Kommission. Es war niemals Geld dafür vorhanden. Als wir im vorigen Jahre eine regelmäßige Publikation mit wirtschaftlichen Nachrichten herausgeben wollten, mußte nach Erscheinen der ersten Nummer die Fortsetzung aus Mangel an Mitteln unterbleiben. Seit Anfang 1921 sind 75 Pfund Sterling monatlich für das Informationswesen ins Budget eingestellt. Aber dieser Betrag reicht nicht aus, um eine wirklich gute Informationsabteilung mit einigen tüchtigen kaufmännischen und technischen Angestellten, mit einem guten Archiv, mit einer Kartothek aller an Palästina interessierten Fachleute und Kapitalisten, mit einem Musterlager aller palästinensischen Rohstoffe und Produkte, mit einer Bibliothek und einer periodischen Publikation zu unterhalten. Ich schätze den hierfür erforderlichen Betrag auf 250 Pfd. St. monatlich und hoffe, daß ein solcher Betrag im nächsten Jahre verfügbar sein wird. Als einen wichtigen Vorschlag zur Hebung der Kleinindustrie und des Handwerks möchte ich noch an dieser Stelle das Projekt des Ingenieurs Seidner zur Errichtung von Werkstättenhäusern erwähnen. Der Kleindustrielle und Handwerker, der jetzt nach Palästina kommt, findet jetzt keine Werkstatt zu mieten oder im besten Falle einen Raum, der für die Ausübung seiner Tätigkeit durchaus ungeeignet ist. Es würde für viele dieser Handwerker und Kleinindustriellen eine Erlösung sein, wenn sie in einem großen Werkstatthause, das mit Kraft und Licht versehen ist, einen ihren Bedürfnissen entsprechenden kleinen Raum und Kraft mietweise erhalten könnten. Ich habe mit Befriedigung erfahren, daß einige Freunde hier auf dem Kongreß sich für die Verwirklichung dieses Planes zusammengefunden haben und ihn zunächst versuchsweise in einer Stadt durchführen wollen. Eine andere Erleichterung für Handwerker und Kleinindustrielle besteht darin, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich an Stelle der engen Ansiedlung in einer Stadt außerhalb der Stadt gartenstädtisch anzusiedeln. Sie würden hierbei die Möglichkeit haben, neben ihrer industriellen oder handwerklichen Arbeit durch ihre und ihrer Familienglieder Arbeit im eigenen Garten und Geflügelstall einen Teil ihres Lebensunterhaltes selbst zu produzieren. 318