Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 327)
- Language
- German, English, Hebrew
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Unternehmungen sind nicht nur als Industrien wichtig, sondern auch dadurch, daß sie landwirtschaftliche Produkte, z. B. Rizinus, Sesam, Johannisbrot usw. als Rohstoffe brauchen und dadurch für unsere neuen landwirtschaftlichen Siedler einen neuen und sicheren Absatzmarkt bedeuten. Sehr bedauerlich ist, daß die mehrfachen Versuche, die Textilindustrie und die Bekleidungsindustrie in Palästina heimisch zu machen, bisher in den Anfängen stecken geblieben sind, meistens aus Mangel an dem notwendigen Kapital. Diese Industrien sind für uns besonders wichtig, weil es fast die einzigen großen Industrien sind, in welchen Juden in anderen Ländern als Arbeiter in großer Zahl beschäftigt sind und in welchen sie ihre Fähigkeiten nicht nur als Arbeiter bewiesen haben. Es ist absolut notwendig, einen ernsten Versuch mit ausreichendem Kapital und mit den besten technischen Bedingungen zu machen, damit in dieser Frage, welche theoretisch nicht definitiv zu entscheiden ist, einmal Klarheit geschaffen wird. Ich denke, es könnte am besten in der Weise geschehen, daß die zahlreichen jüdischen Textilfabriken in Polen eine Gesellschaft gründen und eine Spinnerei und Weberei in Palästina errichten. Es wird überhaupt in Zukunft unser Augenmerk sein müssen, die Zionisten innerhalb jedes Industriezweiges zusammenzubringen und zu gemeinsamen Unternehmungen in Palästina zu organisieren. Ich hoffe, daß schon aus meinen bisherigen Bemerkungen klar geworden ist, daß für die Zionistische Organisation und ihre Institute eine direkte Gründung von Industrien nicht in Frage kommt. In der Landwirtschaft, die in Palästina noch tastend den Weg zur Rentabilität sucht und auf das Privatkapital keine Anziehung ausübt, muß die Zionistische Organisation notgedrungen durch Bodenkauf, Versuchsstation und Ansiedlungsbeihilfen sich unmittelbar beteiligen. In der Industrie, in welcher die Erzielung angemessener Gewinne möglich ist, müssen private Gesellschaften die Initiative ergreifen. Die Zionistische Organisation kann nicht den privaten industriellen Unternehmer mit seinem Spürsinn für die Ausnutzung jeder geschäftlichen Chance ersetzen. Vielleicht kann bei gewissen kleineren und technisch einfachen Betrieben mit gesichertem Absatz die Produktionsgenossenschaft von Handwerkern den privaten Unternehmer ablösen. Die Zionistische Organisation aber kann in allen Fällen nur durch Kredit, Information und Unterstützung bei der Regierung helfen. Leider hat sich die Privatinitiative bisher bei weitem nicht zu dem erwünschten Maße gerührt. Die Liste der Unternehmungen, die wirklich bereits ausgeführt oder begonnen sind, ist, wie Sie gesehen haben, sehr klein. Ich setze für die Durchführung weiterer Projekte besondere Hoffnung auf unsere amerikanischen Freunde, in derem Lande die Industrie durch private Initiative zu einer so hohen Stufe der Entwicklung gekommen ist. Ich erwarte, daß sie durch ihre Sachverständigen alle industriellen Chancen in Palästina erforschen und ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung die Ausführung 317