Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 324)
- Language
- German, English, Hebrew
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not wird mit jedem Einwanderer, der palästinensischen Boden betritt, größer. Es ist unmöglich, Mietswohnungen zu vernünftigen Preisen zu bekommen und es ist anderseits auch unmöglich, Familien mit Frauen und Kindern in Zelten lange Zeit den Unbilden der Witterung preiszugeben. Unsere Einwanderung muß zum Stillstand kommen, wenn wir nicht das Unterkunftsproblem lösen. Diese Lösung liegt nach unserer Meinung nicht in der Errichtung von provisorischen Baracken, die nicht viel weniger kosten als massive Häuser, aber unendlich viel weniger leisten, sondern darin, daß wir durch die Förderung von Baugenossenschaften und durch die Gewährung von Hypothekenkrediten den Bau von massiven Häusern beschleunigen. Das Problem der Beschaffung von Wohnungen ist ja jetzt in der ganzen Welt ein brennendes und wir brauchen für Palästina nicht eine besondere Lösung zu finden, sondern können uns mit geringen Modifikationen die Lösungen zu eigen machen, welche in anderen Ländern gefunden worden sind. Ich denke mir die Sache so, daß sich Baugenossenschaften bilden, welche von einer zionistischen Hypothekenbank bis zu 60 Prozent des Wertes der Häuser als Hypothekendarlehen erhalten werden. Diese Beleihungsgrenze gilt in allen Ländern als statthaft und sie kann in Palästina umsomehr als statthaft gelten, als wir mit einer schnellen Amortisation der Hypotheken, nämlich innerhalb 15 Jahren rechnen können. Ich möchte Ihnen die Sache an einem konkreten Beispiel anschaulich machen: Es bildet sich eine Baugenossenschaft, sagen wir mit 400 Mitgliedern und mit dem Ziele, im Laufe von 4 Jahren für alle 400 Mitglieder Häuser zu bauen. Wenn wir annehmen, daß das Zweizimmerhaus mit Nebenräumen 200 Pfd. St. kostet und daß die Hypothekenbank auf dieses Haus 60 Prozent gleich 120 Pfd. St. leihen wird, so muß jedes Mitglied 80 Pfd. St. aus eigenen Mitteln aufbringen. Da wir annehmen, daß alle diese Häuser auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds gebaut werden und daß der Jüdische Nationalfonds auch die Kosten für die Pflasterung der Hauptstraßen und für die Einrichtung der Wasserleitung übernimmt, so haben die Häuserbau-Genossenschaften hierfür keine Kapitalien aufzuwenden, sondern nur dem Nationalfonds eine jährliche Rente zu zahlen. Nehmen wir an, daß der Nationalfonds für jede Bauparzelle 100 Pfd. St. aufwendet und daß die Pachtrente 4 Prozent beträgt, so hat jeder Hausbesitzer dem Jüdischen Nationalfonds jährlich 4 Pfd. St. zu zahlen. Hierzu tritt noch eine Annuität von 12% %, welche genügt, die Hypothek von 120 Pfd. St. mit 8 Prozent zu verzinsen und im Laufe von etwa 15 Jahren zu amortisieren. Diese Annuität macht also für jeden Hausbesitzer 15 Pfd. St. aus; zusammen mit der Rente an den J. N. F. hat demnach jeder Hausbesitzer 19 Pfd. St. jährlich während 15 Jahren zu zahlen (außer seiner ersten in vier Jahresraten verteilten Einzahlung von 80 Pfd. St.) und ist dann nach 15 Jahren, frei von allen Schulden, Besitzer des Hauses. Im 314