Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 323)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4613-3480757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
schaffen wurden und vieler Verbesserungen bedürfen, im Laufe der nächsten drei Jahre systematisch auszubauen und sofort damit zu beginnen. Wir haben einen neuen Plan ausgearbeitet, die alte Form der Achusoth zu verändern und in veränderter Gestaltung neu zu beleben. Der Grundgedanke, der uns dabei leitete, ist erstens, daß die Kapitalisten, welche das Geld zur Anlage der Wirtschaft geben, die Arbeiten nicht durch gewöhnliche Lohnarbeiter, sondern durch eine Genossenschaft von Arbeitern ausführen lassen, die später einen Teil "der Wirtschaft als Eigentum erhalten. Die Achusah soll nicht nur auf Pflanzungen, sondern auch auf Milchwirtschaft oder Gemüsebau basiert sein. Wir haben ferner beim neuen Schema der Achusoth berücksichtigt, daß erfahrungsgemäß von den Mitgliedern der Achusoth nur ein kleiner Teil wirklich nach Palästina übersiedelt. Es ist aus diesem Grunde nicht nötig, wie es früher bei den Achusothgründungen der Fall war, vorzusehen, daß der Anteil je eines Mitgliedes so groß ist, daß er davon leben kann. Vielmehr rechnen wir damit, daß die Mitglieder, welche nicht nach Palästina übersiedeln können, ihre Anteile den übersiedelnden Mitgliedern in langjähriger Auszahlung unter hypothekarischer Sicherung überlassen. Auf diese Weise erreichen wir, daß der Beitrag jedes Mitgliedes auf einen Betrag reduziert wird, der auch bei den jetzigen Geldverhältnissen in Osteuropa noch vielen Juden den Beitritt zu einer Achusah ermöglicht. Es ist ferner auch daran gedacht, daß der J. N. F. unter gewissen Bedingungen den Achusoth Boden zur Verfügung stellt, so daß die Achusoth ihr ganzes Kapital für die Bewirtschaftung des Bodens verwenden können. Neben der Landwirtschaft erscheint mir als der wichtigste Tätigkeitszweig, in dem wir Einwanderer beschäftigen können, das Bauwesen. Bis vor etwa einem Jahre waren in Palästina die Preise der Baumaterialien, insbesondere des von Europa eingeführten Eisens, Holzes und Zements und auch die Arbeitslöhne so hoch, daß sich die Baukosten eines Hauses etwa dreipal so hoch stellten, wie vor dem Kriege. Diese hohen Baukosten waren natürlich für private Baulustige in hohem Maße abschreckend und nur die ungeheuer drückende Wohnungsnot hat es zuwege gebracht, daß doch im letzten Jahre mit und ohne Kredithilfe der Zionistischen Organisation etwa 100 neue Häuser in Jaffa und Haifa entstanden sind. In der letzten Zeit sind aber die Preise für Baumaterialien außerordentlich stark zurückgegangen und auch die Arbeitslöhne haben eine gewisse Senkung erfahren, so daß heute ein Haus nur etwa 50 Prozent mehr kostet als vor dem Kriege. Vieles spricht dafür, daß diese Preise vorläufig die Grenze nach unten bedeuten und daß ein weiteres Herabsinken der Baukosten vorläufig nicht zu erwarten ist. Damit ist der Bautätigkeit wieder ein freies Feld eröffnet. Die Wohnungs- 313