Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 321)
- Language
- German, English, Hebrew
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Nebenzweigen, wie Geflügelhaltung und Gemüsebau. Für die Pflanzungsbetriebe schufen wir das Betriebssystem der Achusoth, das Ihnen ja bekannt ist, wobei die Kapitalisten, welche das Geld zur Anlegung der Pflanzungen hergaben, die Pflanzungsarbeit einer Gruppe von jüdischen Arbeitern in einer Art von Akkord übergaben. Als ich Ihnen im Jahre 1913 auf dem Wiener Kongreß über die mit diesen beiden Betriebstypen von uns gemachten Erfahrungen berichtete, machte ich kein Hehl daraus, daß wir noch zu keinem abschließenden Erfolg damit gekommen waren. Bei den Betrieben mit Getreidebau und Viehzucht war noch immer nicht eine Betriebsform erreicht, welche genügende nachhaltige Erträge lieferte, obwohl wir in Benschemen in Futterbau, Milchertrag und Getreideertrag große Fortschritte erzielt hatten. Bei den Pflanzungsgesellschaften machte die Arbeiterfrage große Schwierigkeiten, weil es zu keinem richtigen Vertrauensverhältnis zwischen den im Ausland wohnenden Geldgebern und der palästinensischen Arbeitergruppe kam und weil die Löhne, welche den Arbeitern, trotzdem sie meist keine landwirtschaftlichen Kenntnisse hatten, für ihren Lebensunterhalt gezahlt werden mußten, so hoch waren, daß sie die Kosten der Pflanzung weit über das erwartete Maß anschwellen ließen. Vielleicht hätten wir das, was in den 5 Jahren von 1908 bis 1913 noch ungelöst blieb, zum kleineren oder größeren Teile lösen können, wenn uns weitere 5 Jahr e ruhiger Entwicklung beschieden gewesen wären. Aber es kam der Krieg und brachte für alle Wirtschaften in Palästina Verhältnisse von so unnormaler Art, daß an eine ruhige Fortführung der Betriebe nicht zu denken war. Im Gegenteil wurde in Benschemen die mit so vieler Mühe geschaffene Muster-Milchwirtschaft und Geflügelzucht zum großen Teile zerstört. So stehen wir heute in Palästina eigentlich noch auf demselben Punkt, auf dem wir vor dem Kriege standen, d. h. wir haben noch keine landwirtschaftliche Betriebsform, welche ohne Heranziehung fremder Arbeitskräfte ein gewisses Existenzminimum sicher verbürgt. Herr Dr. Soskin, der Ihnen nach mir ein offizielles Referat über intensive Bodenkultur halten wird, zieht hieraus den Schluß, daß es nötig ist, gänzlich von den bisher in Palästina angewandten landwirtschaftlichen Betriebsformen abzugehen, diese als abgetan zu betrachten und uns ausschließlich der Form der höchst intensiven Wirtschaft auf kleinen Flächen von 5 Dunam pro Familie zuzuwenden. Ich kann mich dem nicht anschließen. Wenn Versuche, die nur 5 Jahre normaler Entwicklung gehabt haben, nicht bereits entscheidende Resultate gebracht haben, so genügt das nicht zu ihrer Verurteilung, zumal sich in dieser Entwicklung nicht nur negative, sondern auch positive Ergebnisse zeigen. Wir sollten m. E. die bisherigen Betriebsformen, natürlich unter dauernden Modifikationen und Verbesserungen, so lange fortsetzen, bis sie uns entweder zu 311