Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 320)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4610-3480754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ich rechne hierher soziale und ökonomische Fragen, so z. B. die Frage der Auswahl des Menschenmateriales nach seinen beruflichen Fähigkeiten und seiner psychologischen Eigenart, die meist von seinem Herkunftsland abhängt, ferner die kommunale Verwaltung, die beste Ausnutzung der Arbeitskraft, die Frage, inwieweit Kooperation Platz greifen soll. Das alles sind Probleme, die nur durch die Ansiedlung selbst ihre Beantwortung finden können. Es kommt noch weiter hinzu, daß wir gerade jetzt, da infolge des Krieges seit vielen Jahren keine Ansiedlung stattgefunden hat, in Palästina über viele Hunderte von Arbeitern verfügen, welche schon an die 10 Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet haben und deshalb ein äußerst wertvolles Ansiedlungsmaterial darstellen, wie wir es in Palästina kaum je gehabt haben. Es ist außerordentlich schwer, diese Leute, die zum großen Teil verheiratet sind, weiter in Palästina zu halten, wenn ihnen nicht bald die Möglichkeit gegeben wird, sich an einem bestimmten Punkte anzusiedeln. — Aus allen diesen Gründen müssen wir versuchen, zu einer Entscheidung darüber zu kommen, welche landwirtschaftliche Betriebsformen wir bei unserer nächsten kolonisatorischen Arbeit in Palästina bevorzugen sollen, trotzdem noch nicht alle Vorfragen gelöst sind. Als die zionistische Organisation zum ersten Male an eine kolonisatorische Tätigkeit in Palästina herantrat, fand sie in Palästina bereits zwei Arten landwirtschaftlicher Betriebe vor: die Getreidebauern in Galiläa und die Pflanzer in Judäa. Beiden Typen hafteten Unvollkommenheiten an. Der Getreidebau war, trotzdem jeder Kolonist die große Fläche von 250 Dunam besaß, nicht rentabel und ließ den Kolonisten fortgesetzt in der Gefahr, selbst bei geringen Ansprüchen sein Existenzminimum nicht zu erreichen. Viele Kolonisten waren auch nicht imstande, die große Fläche selbst zu bearbeiten und überließen sie ganz oder teilweise arabischen Charaten. Die Pflanzer in Judäa waren ökonomisch besser daran als die galiläischen Getreidebauern, denn ihre Pflanzungen lieferten ihnen, wenn man von den allerdings ziemlich häufigen Krisenjahren absieht, einen befriedigenden Ertrag. Aber die Pflanzer waren fast ganz davon abgekommen, ihre Pflanzungen selbst zu bearbeiten, bedienten sich dazu der billigen arabischen Lohnarbeit und die Zahl dieser Lohnarbeiter war viel größer als die Zahl der Pflanzer. Trotz dieser Unvollkommenheiten, die diesen beiden Betriebstypen anhafteten, war es doch der jungen zionistischen Organisation mit ihren geringen Mitteln und ihrem Mangel an Erfahrung nicht möglich, gänzlich neue Wege einzuschlagen. Ein Herumexperimentieren mit den im Anfange fast unausbleiblichen Mißerfolgen hätte die ganze Arbeit schon im Beginne diskreditiert. Wir knüpften deshalb an das bereits Bestehende an und bemühten uns, die diesen Betriebstypen anhaftenden Unvollkommenheiten zu beseitigen. So schufen wir den Farmbetrieb mit Getreidebau, Viehzucht, Pflanzungen und den kleineren 310