Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 319)
- Language
- German, English, Hebrew
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Für die Aufstellung technischer Probleme, z. B. die Wahl der besten Fruchtsorten, die beste Art der Bodenbearbeitung, die Düngungsfrage ist auch bisher sehr wenig geschehen. Zwar wurde einige Jahre vor dem Kriege die landwirtschaftliche Versuchsstation in Atlith gegründet. Aber durch den Krieg und durch den tragischen Tod ihres Leiters Aron Aronsohn konnten ihre Arbeiten nicht fortgesetzt werden. Wir werden jetzt die Versuche wieder aufnehmen müssen, wenn wir über wichtige technische Fragen zur Klarheit kommen wollen. Im vergangenen Jahre ist das im kleinen Maße bereits geschehen und die Resultate sind vielversprechend. Aber wir müssen das Versuchswesen weiter ausbauen. Das neue Budget sieht deshalb einen Betrag für diese Zwecke vor. Aber dies allein halte ich noch nicht für genügend. Wir stehen jetzt durch den Kauf großer Terrains und durch die viel höheren Anforderungen, die an uns gestellt werden, vor einer neuen Epoche der palästinensischen Kolonisation. Wir sollen nichts versäumen, was uns dazu verhelfen kann, unser Kolonisationssystem zu verbessern und der jüdischen Welt Vertrauen zu unserer Arbeit einzuflößen. Aus diesem Grunde sind wir entschlossen, eine allererste Autorität auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation möglichst aus einem Lande, das ähnliche Bedingungen wie Palästina aufweist, z. B. aus Kalifornien nach Palästina zu berufen. Dieser Experte soll nach Möglichkeit ein volles Jahr in Palästina bleiben, alle unsere Betriebe besuchen und dann auf Grund seiner lokalen Erfahrungen uns einen detaillierten Plan geben, wie wir in der Zukunft unsere Arbeit am besten weiterführen. Wenn wir der Welt zeigen, daß wir unsere Arbeit auf dem Gutachten einer in der ganzen Welt anerkannten Autorität aufbauen, so wird dies zugleich das stärkste Mittel sein, um das Vertrauen in unsere Arbeit zu stärken. Aber es ist zu befürchten, daß das Gutachten dieses Sachverständigen auch nicht für alle Fragen der Kolonisation eine bündige Antwort geben, sondern zur Aufklärung mancher Punkte zunächst gewisse Versuche technischer Art verlangen wird. Das wird dann ähnlich wie die Versuche in den von uns einzurichtenden Versuchsstationen einige Jahre dauern. Würde die Z e i t in Palästina für uns nichts bedeuten und würden wir uns ausschließlich von der theoretisch richtigen Forderung leiten lassen können, daß wir in Palästina erst dann zu arbeiten beginnen, wenn alle Vorfragen technischer Art lückenlos gelöst sind, so sollten wir diese paar Jahre abwarten. Aber die Zeit ist für uns in Palästina ein wichtiger Faktor und wir können die nächsten Jahre nicht verstreichen lassen, ohne unsere kolonisatorische Arbeit fortzusetzen. — Wir sind dazu auch um so mehr gezwungen, als nur wirkliche Kolonisationsarbeit auf verschiedene Fragen Antwort geben kann, die in Versuchsstationen nicht gelöst werden können, deren Beantwortung aber für das Gelingen der Kolonisation trotzdem von großer Wichtigkeit ist. 309