Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 316)
- Language
- German, English, Hebrew
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Aegyptens, das durch den Nil Bewässerung und Düngung in einem sonst nirgends auf der Welt vorkommenden Maße hat*und in dem die natürlichen Bedingungen für den Anbau von Grünfutter und Gemüse viel günstiger sind als in Palästina, wo das Wasser mit wenigen Ausnahmen überall erst durch Pumpwerke nutzbar gemacht werden kann und eine besondere Düngung des Bodens notwendig ist. Bei anderen Kulturen, so z. B. bei der Baumwolle, beim Anbau von Sesam, von Oliven und Mandeln macht sich störend bemerkbar, daß für viele Arbeiten, wie z. B. das Jäten des Unkrautes, das Pflücken der Früchte die billige Arbeit von Frauen und Kindern genügt, und daß diese billige Arbeit zwar bei den Arabern, aber nicht bei den Juden vorhanden ist, weil hier die jüdischen Kinder die Schulen besuchen und besuchen müssen. Die Aufzählung der Schwierigkeiten, die ich hiermit gebe, ist durchaus nicht erschöpfend, aber sie wird genügen, um Ihnen von neuem zu zeigen, was Sie ja schon zu wiederholten Malen gehört haben, daß die Schaffung rentabler landwirtschaftlicher Betriebe das schwerste ist, was wir vor uns haben. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn wir in der landwirtschaftlichen Kolonisation in Palästina bisher noch nicht zu abschließenden günstigen Resultaten gekommen sind. Es ist aber falsch, wenn, wie es in letzter Zeit vielfach geschehen ist, die Schuld dafür dem Umstände zugeschrieben wird, daß die Zionistische Organisation ihre Versuche nicht auf dem System der Einzelkolonisation, sondern auf dem der Gruppenkolonisation (Kwuzoth) aufgebaut hat. Der Beweis dafür liegt darin, daß die Einzelkolonisten in den galiläischen Kolonien in keiner Weise bessere Erträge hatten als die Kwuzoth und daß auch die Pflanzungskolonisten in Judäa unter fortgesetzten Absatzkrisen zu leiden haben. Die Vorwürfe gegen die Unrentabilität und die Defizite der Kwuzoth gehen übrigens meistens von einer falschen Voraussetzung aus. Sie bezeichnen alle Beträge, welche jährlich von der Zionistischen Organisation für die Kwuzoth ausgegeben wurden, als Defizite, während diese Beträge nur zum kleinen Teile zur Deckung von Defiziten, zum weitaus größten Teile aber zur Anschaffung neuen Inventars und zur Komplettierung des Betriebes ausgegeben wurden, also nicht verloren sind. Der Ihnen gedruckt vorliegende Bericht von Herrn Ettinger zeigt Ihnen, daß in der ganzen Zeit von 1908 bis Ende 1920 seitens des J. N. F. und aller sonstigen zionistischen Gesellschaften in unsere landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt 226 000 Pfd. St. investiert wurden. Ettinger sagt darüber: Etwa 69 Prozent dieses Betrages, und zwar Pfd. St. 154 968.— wurden für Boden, Ameliorationen, Gebäude, Inventar und für Vorbereitungen für das nächste Arbeitsjahr verausgabt oder stellte Getreide und bares Geld in der Kasse dar. 306