Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 305

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 305 (sequence 315)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4605-3480749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in Akkord zu übernehmen. Die Arbeiterbank hat bereits bei den öffentlichen Arbeiten, weiche die Arbeiter bei der Regierung übernommen haben, eine wichtige Rolle gespielt und wird hoffentlich das Instrument werden, das den Arbeitern erlaubt, sich mit guten technischen Hilfsmitteln auszurüsten und bei allen größeren Arbeiten, die mit der Erschließung des Landes im Zusammenhang stehen, erfolgreich konkurrieren. Schließlich will ich an dieser Stelle auch anführen, daß die Verhandlungen des Ingenieur Rutenberg für eine Konzession zur Benützung der A u d s c h a für die Kraftgewinnung dem Abschluß nahe sind. Mit den Arbeiten zur Durchführung dieser Konzession kann schon in nächster Zeit begonnen werden. Ich möchte nun dazu übergehen, Ihnen zu sagen, wie ich mir unsere Arbeit in der Zukunft vorstelle und beginne mit der Landwirtschaft. Ich war mir bewußt, als wir die wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina begannen, daß es eine schwierige Arbeit sein und daß der landwirtschaftliche Teil am schwierigsten sein würde. Aber die Wirklichkeit hat meine Erwartungen noch übertroffen. Nicht nur, daß wir die Kolonisation mit Menschen machen müssen, welche seit Jahrtausenden der Landwirtschaft entwöhnt sind, nicht nur, daß es Zeit dauert, bis sich die Einwanderer den klimatischen Verhältnissen Palästinas anpassen, nicht nur, daß wir keinerlei Institute für Agrarkredit hatten, das Schwierigste ist, daß die landwirtschaftliche Produktion eine schwere Konkurrenz im Inlande und Auslande zu bestehen hat. Das gilt für alle Zweige der landwirtschaftlichen Produktion. Der Getreidebau z. B. kann auf den kleinen und seit Jahrhunderten ausgebeuteten Ebenen Palästinas nicht entfernt mit denselben technischen Hilfsmitteln arbeiten und mit demselben Ertrag betrieben werden, wie auf den gewaltigen Ebenen Südrußlands, Australiens und Argentiniens mit ihrem jungfräulichen Boden. Diese Länder schicken ihren Weizen nach Palästina, wo er sich durch Fracht und Zoll nur um etwa 30 Prozent teurer stellt als in seinem Ursprungslande; denn es ist nicht zu vergessen, daß die Fracht sowohl von den Häfen des Schwarzen Meeres als auch von Australien nach Palästina weniger kostet, als z. B. nach England. Aber nicht nur diese überseeischen Staaten, sondern der dicht neben Palästina liegende Hauran ist mit seinem verwitterten Lavaboden ein Weizengebiet ersten Ranges und Palästina an Fruchtbarkeit weit überlegen. Der arabische Fellache mit seinem Fleiß, seiner jahrhundertelangen Erfahrung und seiner Anspruchslosigkeit kann allenfalls im Kampfe mit dieser Konkurrenz aus dem Weizenbau eine kümmerliche Existenz ziehen. Für den Juden mit seiner mangelnden landwirtschaftlichen Erfahrung und seinem europäischen „Standard of life" ist dies fast unmöglich. Nehmen wir statt des Getreidebaues die Viehzucht und den Gemüsebau, so haben wir die Konkurrenz 20 305

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.