Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 314)
- Language
- German, English, Hebrew
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dadurch allein unseren Bodenbedarf befriedigen können. Diese Hoffnung ist trügerisch. So weit das Regierungsland in Palästina für Landwirtschaft brauchbar ist, ist es mit wenigen Ausnahmen bereits heute bearbeitet und die Auseinandersetzung mit den jetzigen Pächtern ist außerordentlich schwierig. Soweit das Regierungsland noch nicht bearbeitet ist, besteht es aus Sümpfen und Sanddünen, welche für die Bearbeitung untauglich sind. Es ist möglich, durch Entsumpfungsarbeiten auch den Sumpfboden der Kultur zu erschließen, aber es ist fraglich, ob in diesem Falle die Kosten der Entsumpfung nicht ebenso hoch oder höher sind, wie der Kaufpreis guten Bodens. Es wird für uns immer nötig sein, wenn wir guten Boden haben wollen, diesen im Wege des Kaufes zu erwerben. Auch hierbei ergeben sich große Schwierigkeiten dadurch, daß wir, um die arabischen Fellachen nicht von der Scholle zu treiben, uns in der Regel darauf beschränken, Boden von Großgrundbesitzern zu kaufen, denen es möglich ist, den jetzigen Pächtern anderen Boden zu geben. — Wir haben ferner damit zu rechnen, daß im „Heiligen Lande" viele Religionsgenossenschaften als Käufer von Boden auftreten, daß die aus Amerika mit Geld zurückkehrenden christlichen Araber ihr Geld mit Vorliebe im Boden anlegen und dadurch die Preise in die Höhe treiben. Wir haben hier im Kleinen dasselbe Schauspiel vor uns, das wir vor dem Kriege bereits im Großen im Libanon sehen konnten, wo die aus Amerika mit Geld zurückkehrenden Libanesen durch ihre Käufe die Bodenpreise so in die Höhe getrieben haben, daß hier der schlechte Gebirgsboden erheblich teurer war, als der viel bessere Boden des angrenzenden Vilajets Beyrouth. Der Bodenerwerb wird aus allen diesen Gründen für uns immer eine sehr schwierige Sache sein. Vielleicht wird er später einmal dadurch erleichtert werden, daß es uns gelingt, durch die Benützung des Jordanwassers große Flächen Palästinas zu bewässern und bewässerten Boden gegen unbewässerten Boden auszutauschen. Aber vorläufig liegt diese Möglichkeit noch in der Ferne. Was Boden in den Städten anbelangt, so hat der jüdische Besitz durch große Käufe der Palestine Land Development Company einen solchen Zuwachs erfahren, daß jetzt in und bei den Städten Jerusalem, Jaffa, Haifa, Tiberias Bauplätze für etwa 12 000 neue Häuser vorhanden sind. Das deckt den Bedarf für geraume Zeit und damit wird zugleich der Spekulation in städtischem Boden ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Ich will, wenn ich von den Kreditposten des vergangenen Jahres spreche, noch einen Posten erwähnen: die Gründung der Arbeiterb a n k. Diese Bank, an welcher sich die Zionistische Organisation mit 40 000 Pfund und die Arbeiter vorläufig mit 10 000 Pfund beteiligen, soll den Arbeitern in Palästina die Möglichkeit geben, im Wege genossenschaftlichen Zusammenschlusses große Arbeiten jeder Art 304