Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 312)
- Language
- German, English, Hebrew
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schon viele industrielle Versuche in Palästina, die von privater Seite unternommen worden sind, mit Mißerfolg enden sehen und im großen Ganzen scheinen mir die Schwierigkeiten in der Industrie nicht geringer zu sein, als in der Landwirtschaft. Man sagt zwar, daß die einwandernden Juden in der Industrie Erfahrungen haben, die ihnen in der Landwirtschaft fehlen. Das ist in der Tat von Wichtigkeit. Aber wir müssen doch auch beachten, daß die Juden in der Industrie in Europa häuptsächlich als Unternehmer oder kaufmännische und technische Beamte tätig sind, daß aber die Arbeiter in diesen Industrien zum allergrößten Teile Nichtjuden sind und daß in Palästina durch die Industrie nur dann vielen jüdischen Einwanderern eine Existenz geboten würde, wenn nicht nur die Unternehmer und Beamten, sondern auch die Arbeiter wenigstens zum großen Teile Juden sein können. Bevor ich nun dazu übergehe, Ihnen zu sagen, wie ich mir unsere wirtschaftliche Arbeit in der Zukunft denke, will ich darauf eingehen, was in der Zeit, seitdem in Palästina durch Einsetzung der Zivilverwaltung und den Amtsantritt Herbert Samuels eine freie wirtschaftliche Tätigkeit möglich wurde, geschehen ist. Seit dieser Zeit ist ungefähr ein Jahr verflossen. Es war für die Arbeit in Palästina ein unerhört schweres Jahr. Die inneren Zwistigkeiten in unserer Organisation, welche seit der Jahreskonferenz von 1920 begannen, wirkten auf die Stimmung in Palästina höchst ungünstig ein, vor allem aber war es ein Unglück, daß im Gefolge dieser Zwistigkeiten die Geldquellen immer spärlicher flössen. Es war ein unglückliches Zusammentreffen, wie es schlimmmer nicht gedacht werden kann, daß die eben erreichte Möglichkeit zu großzügiger Arbeit gerade mit unserer Unmöglichkeit, davon Gebrauch zu machen, zusammenfiel. Wie oft habe ich in Palästina in dieser Zeit aus Mangel an Geld gute Vorschläge oder Gesuche ablehnen oder eigene Projekte zurückstellen müssen! Wie oft habe ich verzweifelnd das, was wir erreichen wollten, mit dem wirklich Erreichten gemessen! Unser Weg in diesem Jahre war ein Leidensweg. Die Zionistische Organisation hatte uns zu großen Taten, welche die ganze Welt und vor allem der Jischuw in Palästina selbst erwartete, nach Palästina gesandt, aber sie gab uns keine Mittel, um diese Taten zu tun und überließ uns dort der Verzweiflung. Wenn trotzdem das letzte Jahr nicht ganz als verloren zu betrachten ist, sondern einige wichtige Posten in seiner Kreditseite hat, so ist das die Folge außergewöhnlicher Anstrengungen und Umstände. Ich sehe zwei große Kreditposten: Die Einwanderung von mehreren 1000 C h a 1 u z i m und der Erwerb großerBodenflächen in Stadt und Land. Die Einwanderung so vieler für Palästina begeisterter und zu einem gewissen Teile für Palästina vorgebildeter junger Leute ist eine gewaltige Verstärkung unserer 302