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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 301

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 301 (sequence 311)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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vom anderen leben" werde, so wie es in Osteuropa der Fall sei. Aber man übersieht dabei vollständig, daß in Osteuropa der Jude eben nicht vom Juden, sondern als Händler und Vermittler von einer großen Schicht nichtjüdischer Produzenten lebt und daß in Palästina diese Schicht fehlt. Denn was der arabische Fellache außer dem, was er für sich selbst verbraucht, für den Verkauf produziert und was die palästinensische Industrie an Produkten hervorbringt oder das, was die palästinensischen Konsumenten an Industrieartikeln brauchen, ist so gering, daß die im Lande vorhandenen arabischen und jüdischen Kaufleute dafür mehr als genug sind. Es ist also volkswirtschaftlich klar, daß wir bei unserer Wirtschaftspolitik in Palästina nicht darauf zu rechnen haben oder jedenfalls nur zum kleinsten Teile damit rechnen können, daß die Einwanderer so wie in den anderen Einwanderungsländern durch den Handel ihre Existenz finden werden. Vielmehr können wir nur dann hoffen, daß sie sich in Palästina ernähren können, wenn sie Produzenten, sei es in der Landwirtschaft, sei es in der Industrie, sei es in öffentlichen Arbeiten und im Verkehrswesen werden. Wenn auf diese Weise neue Produzenten vorhanden sind, die für ihre Produkte oder für ihre Arbeit Absatz haben, dann wird mit diesen Produzenten auch immer ein neuer Prozentsatz von Händlern und ebenso von Angehörigen freier Berufe ins Land kommen können. Wenn bisher manchmal die Frage gestellt wurde, ob sich die Einwanderer besser mit Landwirtschaft oder besser mit Industrie beschäftigen sollen, so muß ich sagen, daß ich dieser Frage keine Bedeutung beilege. Die Einwanderer müssen alle Berufe ergreifen, aus denen sie dauernd ihren Lebensunterhalt ziehen können. Bietet die Landwirtschaft bessere Aussichten, so soll es die Landwirtschaft sein; bietet die Industrie bessere Aussichten, so soll es die Industrie sein. Allerdings werden wir zugunsten der Landwirtschaft immer das eine anführen müssen, daß wir eine nationale Heimstätte in Palästina nicht allein durch unsere Zahl erreichen können, sondern daß wir dazu auch den Erwerb des palästinensischen Bodens nötig haben und daß dieser Erwerb am ehesten durch landwirtschaftliche Betätigung möglich ist. Würden wir ganz von Landwirtschaft absehen und uns nur auf Industrie beschränken, so würden wir, da die Industrie aus technischen Gründen die Konzentration und eine besonders günstige Verkehrslage sucht, große Siedlungen nur in der Nähe der Städte, Häfen und Eisenbahnen haben, während das übrige Land von jüdischer Arbeit unberührt bliebe. Wenn neuerdings wiederum die Bedeutung der Industrie für Palästina besonders hervorgehoben wird, so hat das seinen Grund wohl darin, daß uns in den letzten Jahren die großen Schwierigkeiten der landwirtschaftlichen Kolonisation mehr bewußt geworden sind und daß man glaubt, in der Industrie geringeren Schwierigkeiten zu begegnen. Ich glaube aber, daß man sich hier einer Täuschung hingibt. Wir haben bisher 301

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