Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 297

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 297 (sequence 307)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
100% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4597-3480741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

damit auch die Stoßkraft und die wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten unserer Bewegung. Ein anderer Vorteil, den die Gegenwart gegenüber der Vergangenheit hat, ist, daß wir jetzt in Palästina im Gegensatz zu früher eine Verwaltung haben, die unbestechlich ist und wirtschaftlichen Fragen volles Verständnis entgegenbringt. Aber über diese Wendung zum Guten dürfen wir nicht die ungünstigen Geschehnisse übersehen, welche uns inzwischen betroffen haben. Als erstes gehört hierher der ökonomische Zusammenbruch des größten Teiles des osteuropäischen Judentums. Vor dem Weltkriege waren die russischen Juden die wirtschaftlichen und geistigen Hauptträger des Zionismus. Ja, man kann ruhig sagen, daß der Zionismus vor dem Weltkriege im großen und ganzen eine Angelegenheit der russischen Juden war. Sie waren es, welche die Bewegung mit ihrem Geiste erfüllten und welche zu großen materiellen Opfern für sie bereit waren. Jetzt ist durch die Abtrennung Rußlands von der übrigen Welt die Verbindung mit den russischen Juden und Palästina so gut wie gelöst und wir haben bisher für diesen Ausfall keinen Ersatz gefunden. Eine fernere Erschwerung unserer wirtschaftlichen Tätigkeit in Palästina liegt darin, daß wir nicht mehr wie vor dem Kriege nur uns selbst für unsere Leistungen in Palästina Rechenschaft schuldig sind. Früher arbeiteten wir in Palästina soviel, wie wir wollten und konnten, und hatten nur vor uns selbst uns zu verantworten, wenn unsere Leistungen gering waren. Jetzt sehen die Regierungen, welche in San R e m o unsere historischen Ansprüche legitimierten, forschenden Auges auf uns, ob wir die uns gegebenen Möglichkeiten tatsächlich voll ausnützen und unsere Verheißungen, aus Palästina das wirtschaftlich führende Land in Vorderasien zu machen, wirklich erfüllen. Das Wort von Lloyd George nach der San Remo- Konferenz: „Now I have given you a start, it is up to you to make good" ist nicht nur eine Verheißung, sondern auch eine Warnung. Wenn unsere Opferwilligkeit und Leistungsfähigkeit versagen, dann wird sich die Balfour-Deklaration und der Beschluß von San Remo für uns aus einem Segen in einen Fluch verwandeln. Leicht wird unsere Arbeit gewiß nicht sein. Wir müssen uns auf Schwierigkeiten aller Art gefaßt machen. Nicht als die kleinste Schwierigkeit sehe ich dabei eine an, die erst in den letzten Jahren manifest geworden ist, nämlich die verstärkte und organisierte Gegnerschaft unter den Arabern gegen die zionistische Bewegung, die, wie Sie wissen, schon zu beklagenswerten Ereignissen geführt hat. So stehen wir heute vor einer gänzlich veränderten Lage. Zwar unser Ziel ist dasselbe geblieben; wir wollen Palästina zur nationalen jüdischen Heimstätte machen, aber das Tempo und die Arbeits- 297

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.