Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 308)
- Language
- German, English, Hebrew
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methoden werden heute in vieler Beziehung andere sein müssen als früher. Bevor ich auf diese Methoden eingehe, möchte ich Ihnen in kurzen Strichen ein Bild von der jetzigen ökonomischen Struktur Palästinas geben. Palästina umfaßt heute nach den leider sehr verengten Grenzen, welche es durch das französischenglische Abkommen erhalten hat, in seiner Ausdehnung vom Mittelmeer bis zum Jordan und von Rafah bis nach Metulah weniger als 20 000 Kilometer. Die Bevölkerung ist auf 500—600 000 zu schätzen; darunter sind 80 000 bis 90 000 Juden. — Zwei Drittel der Bevölkerung leben in Dörfern von der Landwirtschaft, die sie in recht primitiver Weise betreiben und die zur Befriedigung ihrer sehr geringen Lebensansprüche gerade eben hinreicht. Das übrige Drittel lebt in Städten von der Herstellung von Ritualien und Palästina-Andenken, vom Handwerk, Handel, Fremdenverkehr und von milden Gaben, die durch die zahlreichen Kirchen, Klöster, Wohltätigkeitsanstalten und Missionen aller Konfessionen ins Land fließen. Die einzigen größeren Industrien, die vorhanden sind, sind einige Mühlen mittleren Umfanges, teils in jüdischen, teils in nichtjüdischen Händen, ferner die Rothschildschen Weinkellereien, einige Maschinenfabriken und Maschinenreparaturwerkstätten, die teils Juden, teils Nichtjuden gehören, schließlich die fast durchaus nichtjüdische Oel- und Seifenfabrikation. Mineralien, mit Ausnahme von Bausteinen, werden im Lande bisher nicht gewonnen. Der Zollsatz für alle eingeführten Waren ist ein Wertzoll von 11 Prozent, der ohne Rücksicht darauf erhoben wird, ob die Ware zu den Rohstoffen, zu den Halbfabrikaten oder zu den Fertigfabrikaten gehört, so daß die einheimische Industrie, soweit sie Rohstoffe vom Auslande beziehen muß, so gut wie gar keinen Zollschutz genießt; auch diejenigen Industrien, die einheimische Rohstoffe verarbeiten, sind durch einen Wertzoll von 11 Prozent gegen die Konkurrenz von Ländern, die technisch weiter fortgeschritten sind, nur ganz ungenügend geschützt. Das Verkehrswesen hat zwar durch die im Kriege erfolgte Eisenbahnverbindung von Haifa mit Aegypten und durch die damit gleichzeitig erreichte Verbindung zwischen Nord- und Südpalästina eine große Verbesserung erfahren, leidet aber noch immer unter dem Mangel ausgebauter Häfen. Ich will allerdings gleich hier einschalten, daß der High Commissioner Sir Herbert Samuel sich für die baldige Durchführung des Hafenbaues interessiert, so daß zu hoffen ist, daß diese für Palästina so außerordentlich wichtige Frage in absehbarer Zeit eine Lösung finden wird. Die Handelsbilanz Palästinas ist eine sehr ungünstige. Die Einfuhr betrug im Finanzjahre 1920/21 etwa 5 200 000 Pfd. St., die Ausfuhr nur 770 000 Pfd. St., d. h. nur etwa 15 Prozent der . Einfuhr. Während die Einfuhr hauptsächlich Kohle, Baumwollfabrikate, 298