Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 298)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Die Briefe und Dokumente stehen dem Kongreß zur Verfügung. Morgen wird Ihre politische Kommission tagen, alles soll Ihnen vorgelegt werden und dann sollen Sie urteilen. Nur noch einige Worte zur Palästinafrage. Ich bin kein Kolonisator, ich verstehe von ökonomischen Dingen gar nichts. Ich verließ mich in dieser Beziehung auf Sie, Herr Simon. Ich habe hier eine Karte von Palästina, in dieser Karte sind diejenigen Stellen rot markiert, die wir Juden heute besitzen. Wenn Sie sich dazu das Audschak-Projekt und das Jordan-Bewässerungs-Projekt hinzu denken, so ist das ganze (Redner zeigt auf die Karte) mit kleinen Unterbrechungen eine einzige rote Linie. Nach der Meinung unserer Experten soll es auf diesen Ländereien allein möglich sein — ich will die Ziffern nicht fixieren: die Sanguiniker sagen 300 000, die weniger Optimistischen sagen 100 000 Leute anzusiedeln. Wenn Sie 100 000 Menschen auf diesen Gebieten verankern, so ist der Nerv Palästinas, der Jordan, und die Küste jüdisch und damit Palästina jüdisch und das ist der Kernpunkt des Problems. Ob es drei Millionen kostet, ob es 5 Millionen kostet oder 8 Millionen, das muß im Laufe der nächsten 3, 4 oder 5 Jahre — fünf ist schon zu viel — gemacht werden und das ist möglich für das jüdische Volk. Das ist der Zentralpunkt der Aufgabe, die dieser Kongreß sich stellen muß. Wir sind in Palästina viel weiter gekommen, als wir denken. Vor lauter Bäumen hat man den Wald nicht gesehen. Es bedarf einer verhältnismäßig kleinen Anstrengung und die Sache ist vollbracht. Denn es ist nicht eine Frage der numerischen Majorität, es ist die Frage der Verankerung einer größeren produktiven Menge von Juden. Wir haben den Boden, wir haben die Pläne, wir haben die Möglichkeit, und wir können das Geld finden. Amerika oder nicht Amerika, Brandeis oder nicht Brandeis, es wird da sein, wenn Sie alle so arbeiten, wie es nötig ist. So liegt die Aufgabe. Der politische Weg ist geebnet, der Straßenfeger hat seine Arbeit getan, es ist Ihre Aufgabe, die Straße zu gehen. Noch eine dritte Aufgabe hat de Lieme gestellt: Wie zieht man neue Männer heran? Ich glaube, auch darüber mit einiger Autorität sprechen zu dürfen. Wenn jemand neue Männer hereingebracht hat, so war es vielleicht meine Wenigkeit, und ich darf aus meiner Erfahrung sprechen. Es gehört eine ungeheuere Energie dazu, diese Männer zu gewinnen. Aber man soll sie unter der Bedingung gewinnen, daß sie zuerst in die Lehre gehen, daß sie sich in Reih und Glied einordnen. Der Zionismus heute ist nicht das, was er vor zehn Jahren war. Man muß ihn lernen, man muß ihn verstehen und der einzige Weg, diese Männer zu gewinnen, ist, daß man ihnen umschriebene Aufgaben gibt, in welchen sie ihre Erfahrungen verwerten können. Das ist der Sinn 288