Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 291)
- Language
- German, English, Hebrew
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Die zweite Grundlage war der Wille des jüdischen Volkes zu Palästina. Das waren die Grundpfeiler, auf denen sich das ganze Gebäude, die Balfour-Deklaration, San Remo, das Mandat mit allen seinen Fehlern und Lücken aufgebaut hat. Das waren die zwei Eckpfeiler und ich dachte, — ich lege hier ein Bekenntnis ab — daß die Rolle, die meine Arbeit spielte, eine zweit- und drittklassige sein werde und nicht eine erstklassige. Ich betrachtete mich und ich betrachte mich auch jetzt als nicht mehr und nicht weniger als einen Straßenfeger auf dem internationalen Wege. Meine Aufgabe war, Hindernisse zu beseitigen, einen Pfad zu schaffen, manchmal einen großen Weg und manchmal einen kleinen, manchmal einen geraden und manchmal — wenn es sein mußte — auch einen nicht geraden Weg zu bahnen. Ich wußte, daß es kein derech hamelech sein werde, ich wußte und fühlte, daß es eine via dolorosa für lange Jahre sein wird. Die Rolle, die uns zugefallen war, fortwährend die Straße zu fegen, wäre freilich leichter gewesen, wenn man auf dieser Straße fortwährend gegangen wäre. Ich erwartete, daß auf dieser Straße das jüdische Volk zu marschieren anfangen und durch diesen Marsch die Straße erweitern würde. Das geschah aber nicht. Das geschah nicht in dem Maße, wie es hätte sein sollen; darum ist unsere Arbeit, die am Anfang eine ehrenvolle Aufgabe war, dazu gebracht worden, daß man tieute über sie als Diplomatisieren sprechen kann. Nicht meine Schuld war das. Ich kann hier vor diesem Kongresse sagen und kann es auch belegen, daß es noch keinen Juden gegeben hat, der stolzer zu den Mächten gesprochen hat als wir. (Lebhafter Beifall.) Wir wußten sehr genau, daß wir uns nicht auf Bajonette stützen, und ich kannte auch den Wert der Macht, von welcher Sie, Freund Kaplansky, sprachen. Wenn der Tag kommt, da die Briefe und Gespräche, die Memoranden und Verhandlungen veröffentlicht werden, so werden Sie sich überzeugen, daß wir mit offenen Augen und mit stolzem Gesicht und mit gehobenem Kopf in Ihre Augen schauen und sagen können: wir haben das jüdische Volk in Ehren vertreten. (Großer Beifall.) Aber es war notwendig, die errungenen politischen Erfolge, ganz gleichgiltig, ob sie leicht oder schwer errungen waren, in Taten zu verwandeln, damit die Diplomatie zur Politik werde. Und hier wieder möchte ich Sie an etwas erinnern, was vielleicht im Gefecht vergessen worden ist. Noch im Jahre 1918, während wir in dem kleinen, halb besetzten Palästina unter Kanonendonner arbeiten mußten, war das erste, was diese vielgeschmähte Zionistische Kommission von der englischen Regierung verlangt hat, eine dreifache Forderung: Wir haben 3 Dinge gefordert — es sitzen hier 281