Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 289)
- Language
- German, English, Hebrew
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Nachruf halten kann und daß es unmöglich sei, über jeden ausführlich zu reden. Auch über die uns so teure Person Tschlenows konnten wir ja nicht viel sagen. Ich muß noch hinzufügen, daß die Namen B a r s i 1 a i und Michael H a 1 p e r i n bei unserer Aufzählung vergessen wurden. Das waren die besten und treuesten unserer älteren Pioniere. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat Herr Dr. W e i z m a n n. Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Cfaaim Weizmann (mit stürmischem, anhaltenden Beifall und Händeklatschen begrüßt — die Versammlung erhebt sich — spricht deutsch): Geehrter Kongreß! Ich habe acht Jahre auf diese Gelegenheit gewartet, einmal Rechenschaft abzulegen dafür, was geschehen ist, und dafür, was nicht geschehen ist. Ich habe mit großer Geduld den vielen Reden zugehört, die hier von dieser Tribüne aus gesprochen wurden, und ich fürchte, daß ich die Geduld des Kongresses auch in dieser späten Stunde werde in Anspruch nehmen müssen, denn ich habe viel zu sagen, und ich möchte alles heute Nacht oder — richtiger gesprochen — heute früh gesagt haben. Es ist meine Pflicht — und ich bin hierzu von meinen Freunden und Gegnern aufgefordert worden — klar über die politische Lage zu sprechen. Ich werde mich bemühen, ohne Schönfärberei, Herr Fischer, ganz objektiv, — soweit es einem, der daran beteiligt ist, möglich ist, objektiv zu sein — die Lage zu schildern. Um sie zu verstehen, möchte ich erklären, auf welchen Grundlagen nach meiner unmaßgeblichen Meinung die jüdische Politik, die wir geführt haben und für die wir heute Nacht Rede stehen, sich aufgebaut hat. Zwei Grundlagen waren es, die hauptsächlich für den Aufbau dieser Politik maßgebend waren. Die erste lag sozusagen außerhalb uns, das war eine Koinzidenz von jüdischen Interessen mit den Interessen derjenigen Macht, die heute als Mandatarmacht für Palästina dasteht, das ist Großbritannien. Und da ich bei diesem Punkte bin, der, wie ich fürchte, von vielen mißverstanden wird, möchte ich noch eine Erklärung hinzusetzen. Wenn Sie sich, meine Herrschaften, einbilden, daß diese Koinzidenz der Interessen eine strategische ist, so bauen Sie auf einer falschen Grundlage. Wenn Sie glauben, daß wir uns dazu hergegeben haben, Agenten der englischen imperialistischen Politik in Palästina und im Nahen Osten zu sein, so bauen Sie auf einer falschen Grundlage. Ich werde noch offener sein. Wenn es für Palästina, wenn es für das jüdische Palästina genützt hätte, daß wir der englischen imperialistischen Politik 279