Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 287)
- Language
- German, English, Hebrew
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troffen. Ich weiß nicht, ob nicht unsichtbare Fäden von diesem Kongreß zu der internationalen Versammlung gehen, die jetzt eben in Genf tagt. Seid Euch dessen bewußt und versteht unsere Pflicht! Wir sind in die Völkerfamilie eingetreten und haben eine Politik zu treiben, so wie jedes Volk Politik treiben muß. Im Verhältnis der Völker zueinander gibt es nur zwei Wege: Krieg oder Politik. Wenn man nicht Krieg führt, muß man die Beziehungen regulieren und überwachen. Dazu sind die Minister und Ambassadeure da. Vorläufig ist dies die Weltordnung. Das müssen auch wir machen. Und Sie, meine Herren, machen Sie keine Politik? Draußen in den Korridoren machen Sie doch auch Politik. (Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Alle Parteien, auch die kleinsten, haben ihre Organe, ihre Gesandten und ihre Politik, nur das jüdische Volk darf keine Politik machen? Es ist dies kein Diplomatisieren, sondern es muß von jetzt an Politik gemacht werden, und es ist ein ungeheurer Verlust, daß man sie nicht macht. Man muß sie jeden Tag machen. Einer von uns müßte jetzt in Genf sein, ein anderer in Paris und noch ein anderer in London. Das ist Politik, das muß konstant gemacht werden und nicht von einem Tag auf den andern. Deshalb ist das Wort Diplomatisieren ein Leichtsinn. Es ist schon voriges Jahr gefallen. Die Herren haben es ja nicht schlecht gemeint, es sind gute Menschen, aber schlechte Musikanten. (Heiterkeit.) Um noch einige Worte über die D i a s p o r a - P o 1 i t i k zu sagen, so gibt es hier zwei Ansichten. Die eine hat ausgeklügelt, daß Diaspora-Politik nur durch die zionistischen Verbände in den einzelnen Ländern gemacht werden kann, aber Gott behüte nicht durch die Zusammenfassung der Landesorganisationen, wie sie in der zionistischen Weltorganisation repräsentiert ist. Die andere Methode besteht darin, daß man Diaspora-Politik durch die Zionistische Organisation machen soll. Ich erlaube mir, ein jüdisches Wort zu benützen: „es ist nicht gestoigen und nicht gefloigen." (Heiterkeit.) Das jüdische Volk zu beschützen, sein Leben, sein Eigentum, seine Rechte zu beschützen, das ist eine Sache, für die sich jeder Jude interessieren muß. Die ungeheuren Massen, die z. B. in Polen leben, haben ja auch verschiedene Interessen für Leben, Eigentum, Rechte der Gemeinden und Erziehungswesen. Sie haben manchmal etwas durchzuführen. Versetzen Sie sich in die Lage, daß irgendwo die Gefahr von Pogromen besteht. Da muß man doch unbedingt einschreiten und retten. Freilich werden nun vielleicht die Weisen und Dogmatiker kommen und sagen: die Landesorganisationen dürfen sich damit beschäftigen, aber die große zionistische Weltorganisation, die Leitung nicht. Da muß ich Ihnen erklären, ich werde in einem solchen Falle mich unter allen Umständen der Sache annehmen und mich damit beschäftigen. Ich werde im Namen der Zionistischen 277