Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 286)
- Language
- German, English, Hebrew
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hoffen, daß der High Commissioner, welcher nicht nach Erez Israel gegangen ist, um Carriere zu machen, sondern der uns schon in seiner Rede, die er in London gehalten hat, versprochen hat, uns zum Aufbau eines jüdischen nationalen Heims zu helfen, sein Versprechen auch halten wird. Nehmen wir daher diese Begrüßung mit Würde zur Kenntnis. Wir hoffen, daß S. E. der High Commissioner mehr und mehr einsehen wird, daß unter einem jüdischen Heim ein Heim des Friedens, der Arbeit und der Brüderschaft mit anderen Völkern verstanden wird. (Beifall.) Wir sind überzeugt, daß er von guter Absicht be1 seelt ist; der Kongreß wird, unbeirrt von jeder Leidenschaftlichkeit, über alles, was geschehen ist und was zu geschehen hat, seine freie Meinung äußern. Nur das hat einen Wert. Wir bedauern — und wir haben das schon lange ausgesprochen — manchen Schritt, den die Administration von Erez Israel in der letzten Zeit getan hat. Hauptsächlich sind wir gegen eine Maßregel, das Einwanderungsverbot. Wir wollen keine Beschränkung der A1 i j a h als die, die wir uns selbst auferlegen, Erez Israel zusammen mit uns. Wir haben dagegen protestiert und ich bin sicher, daß der Zionistenkongreß diesbezüglich feierliche Beschlüsse fassen wird, nicht in Erregung, sondern in Ruhe und Würde; so werden wir alle Schwierigkeiten überwinden. Vergessen wir doch nicht, daß wir es mit einer neuen Verwaltung zu tun haben und daß vor allem das Mandat noch nicht unterschrieben ist. Hier spricht man von Augenblicken, die unausgenützt geblieben sind. Erinnern Sie sich, daß uns noch ein bedeutungsvoller Augenblick bevorsteht: die Unterzeichnung des Mandats. Wir müssen eine Sache haben, die wichtiger ist als alle anderen, das ist Selbstvertrauen. Denn wenn wir Selbstvertrauen haben, werden wir uns auf den Moment freuen, wo das Mandat kommen wird. Es werden vielleicht noch verschiedene Schwierigkeiten kommen. Ob das Mandat so sein wird, wie wir es wünschen, kann niemand sagen. Man kann und wird an jedem Dokument etwas aussetzen. Einer der Diplomaten in diesem Saal weiß schon genau, wie die Grenzfrage endgiltig reguliert ist. (Heiterkeit.) Ich bedauere, ich weiß es noch nicht so genau wie jener Diplomat, der dies in einer Polemik ausnützen wollte. Wir lieben ja Polemik und Opposition. Aber nicht in dieser Weise und auch der Kongreß ist nicht dazu da. Wir sind ein Volk geworden und müssen die Politik eines Volkes treiben. Wir müssen allen Schwierigkeiten mit dem festen Willen, sie zu überwinden, entgegentreten. Politik ist keine Improvisation. Sie muß gemacht werden. Man hat das Diplomatisieren genannt. Warum ist das nur Diplomatisieren? Es gibt kein Volk auf der Welt, das keine Politik macht. Paraguay und Uruguay habe ich auf dem Völkerbund ge- 276