Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 285)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Wir bauen schwer, aber wir dürfen nicht die Grundlage von der Stelle rücken. Wir müssen unsere Würde wahren und dürfen nicht Wasser auf die Mühle unserer Gegner treiben. Wir müssen die Sache so groß einschätzen, als sie ist — ich sage nicht, größer als sie ist; sie ist groß genug. Meine Herren, es ist von großer Bedeutung, daß die Existenz des jüdischen Volkes in der Welt anerkannt worden ist, nicht nur durch Mr. B a 1 f o u r, den wir so hochschätzen, nicht nur durch die englische Regierung, sondern auch durch die französische Regierung, obwohl einer der Redner mit einer gewissen Ironie von Paris gesprochen hat. Wenn er etwas von der national-jüdischen Idee verstanden hätte, so hätte er gewußt, wie die Tatsache zu bewerten ist, daß in Paris, in der Metropole des vor hundert Jahren stattgefundenen Synhedrions, wo alles gegen uns gewesen ist, wo die Assimilation blüht, — die Existenz des jüdischen Volkes anerkannt wurde. Meine Herren! Sind wir ein Volk geworden, so müssen wir auch die Konsequenzen ziehen. Wir müssen die Deklaration verwirklichen. Diese schicksalsschwere Frage drängt sich unabweisbar in unsere Seele. All das konnte man voraussehen. Wir werden zu kämpfen und zu leiden haben, aber es ist schon etwas vorhanden, wofür wir kämpfen und leiden werden, wie jedes andere Volk. Meine Herren, ich spreche hier nicht weniger bekümmert als unsere Freunde, deren Aufschrei wir hier gehört haben. Auch ich habe die Ereignisse in Erez Israel gesehen. Aber wenn hier der Ausdruck Pogrom gebraucht worden ist, so muß ich sagen, es war kein eigentlicher Pogrom, es war schlimmer als ein Pogrom, es war kein Kampf, es war die Mißgeburt eines nationalen Kampfes. Mehr: Kriege werden erklärt, der Angegriffene hat Gelegenheit, sich vorzubereiten und zu verteidigen. Das war ein Ueberfall, ein feiger, heimtückischer Ueberfall. Wir bedauern, daß ein Teil des arabischen Volkes sich durch verbrecherische Agitation hat verführen lassen zu einem gemeinen, mörderischen Ueberfall auf die schuldlose Bevölkerung von Jaffa und den Kolonien. Es gibt keine Gründe für dieses Vorgehen. Wir protestieren von hier gegen die Nachricht, die von nichtjüdischer Seite, leider auch offiziell, verbreitet wurde, die den Eindruck erwecken konnte, als ob bolschewikische Umtriebe mit diesen Ereignissen in Verbindung ständen. Weder die alten Kolonisten, noch die städtische Bevölkerung, noch die Chaluzim taten das Mindeste, um die Araber aufzureizen. Es ist unsere feste Ueberzeugung, daß die traurigen Ereignisse das Resultat einer verbrecherischen Agitation in Schrift und Wort von Seiten gewisser Kreise waren, die dadurch nicht nur uns, sondern auch ihre eigene Nation schädigen. Seid daher ruhig und regt Euch nicht über die Depesche, die ich Euch vorgelesen habe, auf! Wir 18* 275