Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 282)
- Language
- German, English, Hebrew
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durch die Entwicklung eigener Ideen bekehrt wird, dann ist er ein Ger Zedek. Wir schätzen einen solchen, freuen uns über den Sieg der Idee, haben volles Vertrauen in seine Ueberzeugungsfähigkeit, sind sicher, daß er uns versteht und uns ganz gehört, aber es würde mich wundern, wenn man den besten, den idealsten und gerechtesten Ger-Zedek etliche Jahre nach dem Beginn seiner Tätigkeit mit einem Male zum Oberrabbiner von Prag machen würde. (Lebhafte Heiterkeit.) Der Zionismus hat auch seine Probleme; in die man sich 1 ange vertiefen muß und die man nicht in kurzer Zeit so beherrschen kann, daß* man das Richtige trifft. Ich schätze und achte die Persönlichkeit von B r a n d e i s. Aber seine Anhänger haben übertrieben und haben ihm so unrecht getan. Er selbst, dieser treffliche und bebescheidene Mann betrachtet sich wahrscheinlich kaum genügend kompetent, über alle die verschiedenen Fragen zu urteilen, die das jüdische Volk seit zwei Jahrtausenden und wir Kleinen auch schon seit einer Generation studieren. Gewiß ist ein Ehrenplatz für Brandeis in der Zionistischen Organisation da, und ich meine, daß er ein genügend guter Zionist ist, um das Mißverständnis, das entstanden ist, zu überwinden. Er ist nicht zum Kongreß gekommen, aber es ändern sich viele Sachen und er kann zum nächsten Kongreß kommen. Für einen solchen Ideenkampf haben wir den Kongreß, und ich bin sicher, daß Justice Brandeis und seine Freunde, die doch für den Zionismus viel gearbeitet und weiter tätig sein wollen, zum nächsten Kongreß erscheinen werden. Wer auch immer eine gewisse Richtung hat und etwas durchsetzen will, ob Groß oder Klein, muß zum Kongreß kommen und zu überzeugen suchen. Der Kongreß ist wie ein Prisma, das die Strahlen bricht, und zugleich wie ein Spiegel, der sie zurückwirft. Das ist das Prinzip unserer Organisation und daran müssen wir festhalten. Ich begreife nicht, wie man daran Anstoß nehmen konnte, daß unsere Delegation, mit Herrn Präsident Dr. Weizmann an der Spitze, nach Amerika gegangen ist. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, die Sache ist geschehen, wozu soll man noch davon reden. Das ist ein Irrtum. Die Sache ist noch nicht geschehen, und ich würde die Frage noch auf andere Punkte ausdehnen. Das Faktum war Folgendes: Wir haben konstatiert, daß der Zionismus in A m e r i k a schwachgeworden ist. Man begann in London und Jerusalem zu fühlen, daß die erforderlichen materiellen Kräfte, die man von Amerika erwarten kann, ausgeblieben sind und die zionistische Verwaltung kam in große Verlegenheit. Wo immer eine. Schwäche, ein Rückgang zu konstatieren ist, ist es Pflicht der Organisation, die besten und einflußreichsten Kräfte zu mobilisieren, um die P o s ition zu stärken. In richtiger Würdigung der Bedeutung der zionistischen Position in Amerika sind die Besten nach Amerika gegangen und haben Tüchtiges geleistet. Die zionistische 272