Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 273)
- Language
- German, English, Hebrew
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andern geschickt, die alle nicht selbständig waren und immer Instruktionen gehabt haben. Das war die Korporation, die den ganzen Jischuw in Erez Israel führen sollte. Was ist das Resultat? Ich beschuldige niemanden in dem großen Mischmasch von Menschen, die durch den Waad Hazirim gegangen sind. Niemand ist schuldig, aber die Tatsache blieb bestehen. Wenn ich die ungeheuren Schwierigkeiten betrachte, von denen ich noch reden werde, die politischen, ökonomischen und kulturellen Schwierigkeiten, und mich frage, wer schuld ist, so muß ich antworten, nicht die Rechte und nicht die Linke, nicht London und nicht der Waad Hazirim sind schuld, schuld allein ist unser Schicksal. Wir sind in einen Moment des höchsten Glückes des jüdischen Volkes gekommen, es war ein Moment der größten Hoffnungen und Strebungen und in einer kurzen Weile hat sich das alles geändert. Unsere Forderung ging auf möglichst schnelle Schaffung eines großen, freien, jüdischen Palästinas. Aber unsere Möglichkeiten waren schwach und klein und ungeheuer das große Unglück des osteuropäischen Judentums. Diese Tragödie sehen wir überall und sie spielt sich am erschütterndsten dort ab, wohin unsere Hoffnungen gerichtet sind. Unsere wichtigsten Reservoirs an Menschen, an Geld, an nationalem Willen und an aufbauender Energie waren ruiniert. Und dieses Unglück ist der Grund all unserer Unzufriedenheit, der Verbitterung, der Selbstzerfleischung. Aber ich, der vielleicht am meisten darunter leidet, ich bin ruhig, weil ich verstehe, daß es nicht anders sein kann, daß die Menschen, die an der Spitze stehen, verpflichtet sind zu leiden. Ja, Herr de Lieme, ich habe Ihnen in Jerusalem gesagt, der Jude muß lernen zu dulden, ich habe aber noch etwas gesagt: der Jude muß dulden, aber nicht schweigen. Wir müssen dulden und kämpfen, dulden und schreien, dulden und arbeiten. Hätten Sie verstanden, was ich gesagt habe, so hätten Sie geduldet und gekämpft in der Exekutive und wären nicht einfach aus der Exekutive weggegangen. Ich möchte nun das Gebiet der persönlichen Fragen verlassen, aber man hat mich zu einer Antwort provoziert und ich muß antworten. Man hat mich hier gefragt, wie ich, ein Gegner der Legion, in einer Exekutive bleiben könne, die für die Legion sei. De Lieme, Sie kennen meine Antwort. Ich habe gesagt, unsere Lage im Zionismus ist schrecklich schwer und ich habe kein Recht, mit theoretischen Fragen in der Exekutive Konflikte heraufzubeschwören. Die Legion, das ist eine Frage, die man macht oder nicht, aber man diskutiert nicht darüber. (Beifall.) Nach meiner Meinung hat mein Freund und Gegner Jabotinsky gestern einen Fehler begangen, indem er auf diese Frage ausführlich eingegangen ist. Einen noch größeren Fehler aber würde derjenige begehen, der jetzt wiederum herkäme und gegen die Legion sprechen würde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) 263