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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 247

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 247 (sequence 257)
Language
German, English, Hebrew
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Simon vergaß zu erzählen, daß wir gegen B r a n d e i s nach seinen eigenen Prinzipien gekämpft haben, die er im Kampfe gegen Schiff und M a r s h a 11 angewendet hat. Wir haben wohl gegen B r a n d e i s gekämpft, aber im Namen von Prinzipien. Die amerikanischen Zionisten haben für den nationalen Zionismus und nicht gegen Brandeis zu kämpfen. Vizepräsident Dr. Klumel: Das Wort hat Herr Morris Myer. Delegierter Morris Myer (England, spricht jüdisch): Geehrter Kongreß! Herr Julius Simon hat nach meiner Meinung eine These aufgestellt, die der Hauptpunkt sein sollte, mit dem sich der Kongreß zu beschäftigen hat. Alles andere kann nur eine Folge dieser These sein. Seine These bestand in zwei Gedanken, zu Anfang und zum Schlüsse seiner Rede. Zu Beginn seiner Rede sagte er: wir haben gedacht, wenn es zum Aufbau Palästinas kommt, wird man ein vereinigtes jüdisches Volk finden, und zum Schlüsse sagte er: ein Land kann nur vom ganzen Volk aufgebaut werden. Herr Julius Simon ist zu weit gegangen, wenn er glaubt, daß man das ganze jüdische Volk zu diesem Zweck vereinigen kann. Aber es ist richtig, daß man vereinigen kann und vereinigen muß das ganze nationale Judentum für den Aufbau Palästinas. Machet keine Differenzierungen zwischen mehrnationalen und wenigernationalen Juden! Wenn Ihr das macht, dann weiß ich nicht, wer alles unter die nationalen und wer unter die nichtnationalen fällt. Ein Grund dafür, daß wir nicht vereinigt sind, ist vornehmlich der Umstand, daß wir zuvielProgramme haben. Jeder hat sein eigenes Programm. Jede Gruppe hat eine Untergruppe, jede Partei hat Unterparteien und noch schlimmer, jeder will, man soll sein ganzes Programm von A bis Z verwirklichen und zwar heute und nicht morgen. Julius Simon und d e Lieme, Ihr habt einen großen Irrtum gehabt und deshalb seid Ihr unterlegen! Nicht weil Ihr ein neues Programm für die Arbeit in Erez Israel aufgestellt habt, sondern weil Ihr das ganze Programm sogleich in allen seinen Teilen angenommen wissen wolltet und keine Geduld hattet zu warten, bis Euer Programm entwicklungsfähig im Leben durchgeführt werden kann. Dasselbe war mit B r a n d e i s der Fall. Sein Plan vor der Konferenz war nicht verfehlt, sondern verfehlt war der Geist, mit dem er den Plan vor die Konferenz brachte. Eine weitere Frage, mit der wir uns beschäftigen müssen, ist, wie wir die Mittel erlangen, um Erez Israel aufzubauen. Ich glaube, die Mittel werden nie aufgebracht werden, so lange der jetzige Zustand in der Zionistischen Organisation bestehen wird. Es ist eine Erfahrung bei allen Staaten und Völkern, daß Regierungen nur dann Steuern bekommen, wenn sie positive Arbeit leisten, aber nicht wenn sie kritisieren. Oppositionelle haben das Recht, zu kritisieren, aber dafür kriegen sie keine Steuern. Kritisieren und Steuern vom Volke haben wollen — beides zusammen geht nicht, entweder Ihr gebt die Kritik auf, dann kann man beim Volke Zutrauen erwecken und es gibt die Gelder her oder aber Ihr übt weiter Kritik, dann habt Ihr beim Volke ausgespielt und werdet keine Mittel für den Aufbau erlangen. Ich kenne die Psychologie des Volkes. In den letzten Jahren ist infolge der vielen Zänkereien der Wille des Volkes, Geld zu geben, erstorben. Deshalb sage ich, der Kongreß muß erstens der Leitung das Vertrauen im höchsten Maße aussprechen und zweitens bewirken, daß jeder von uns ein klein wenig von seinem Programme aufgibt und auf die Tendenz und das Ziel der Bewegung Bedacht nimmt. Wenn wir das nicht tun, wird B r a n d e i s nicht der letzte sein, sondern ähnliche Fälle werden sich häufen. Wir haben ja hier die Stimmung zwischen dem 247

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