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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 242

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 242 (sequence 252)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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führen. Die Entfremdung der Amerikaner ist eine große Gefahr. B r a n d e i s war eine legendäre Persönlichkeit. Man hat in ihm den zukünftigen Präsidenten der Palästinensischen Republik gesehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Was sagen unsere Amerikaner, unsere gewesenen Zionisten, wie sie alle heißen? Wir haben vom Amte resigniert, aber nicht vom Zionismus. Die Entfremdung der Amerikaner ist eine große Gefahr. Erst erhob man Brandeis in den Himmel, jetzt erklärt man, er sei kein Zionist. Ussischkin soll Führer sein, aber nicht Befehlshaber. Ein Führer hört auf die Stimme der von ihm Geführten. Wir sollen in den Herzen der Amerikaner nicht Mißstimmung suchen, sondern Harmonie. Weizmann hatte in Amerika einen großartigen Empfang; man hat ihn behandelt wie den größten Führer des größten Volkes; materiell aber war* es ein Durchfall, gesammelt hat er nur Groschen. Damit kann man die Aufgaben nicht realisieren. Wir werden keine weiteren Erfolge haben, wenn wir nicht Frieden machen, und diesen Frieden will ich anregen. Ich will nun zur Frage unserer Beziehungen zum religiösen Judentum übergehen, das in dem M i s r a c h i organisiert ist. Man hat uns gestern zugerufen: Freiheit! Besteht Freiheit in Gewissenszwang, in der Beleidigung unserer heiligsten Gefühle? Wir wollen nicht nur körperlich nach Palästina gehen können, sondern mit unserer Thora und mit unserer Kultur. Wir wollen Euch nicht fromm machen, aber auch Ihr dürft uns nicht vergewaltigen wollen. (Widerspruch.) Die religiösen Juden, die im Galuth soviel gelitten haben, erhalten in Erez Israel nicht einmal die Möglichkeit, so zu leben, wie es ihnen Bedürfnis ist. Man zwingt die Arbeiter, trefah zu essen. Gegen den Gewissenszwang richten wir uns mit allen Kräften. Bedenken Sie, wie die misrachistische Gruppe wächst. (Zwischenrufe. — Vizepräs, Dr. Klumel: Ich bitte, keine Zwischenrufe zu machen!) Delegierter Farbstein (fortfahrend): Sie werden sehen, daß beim nächsten Kongreß die Hälfte der Delegierten auf unserer Seite ist, daß wir einen Kongreß der orthodoxen Juden haben werden. (Del. Locker macht einen Zwischenruf.) Herr Locker, keine Drohungen gegen uns! Wir sind Euch gegenüber tolerant. (Beifall.) (Ruf: Das Land aber werdet nicht Ihr bauen, sondern wir!) Das Land werdet nicht Ihr bauen, sondern das ganze jüdische Volk. (Beifall. — Lebhafte Unruhe.) Vizepräsident Dr. Klumel: Herr Grünbaum hat das Wort. Delegierter Izchak Grünbaum (Polen, mit lebhaftem Beifall begrüßt, spricht jüdisch): Geehrter Kongreß! Es wäre ein Fehler und ein Schaden, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das konzentrieren würden, was mit dem Namen Kontroverse zwischen Leitung und Amerika bezeichnet wird. Es ist ein Irrtum, wenn man meint, daß man den jetzigen Zustand in der zionistischen Bewegung und die Reibungen beseitigen könnte, wenn man das Programm von Simon und de Lieme annimmt. Alle, die wir da und in der Leitung sitzen, sind unzufrieden. Wir kommen aus der Krise nicht heraus, wenn wir meinen, daß mit dem Frieden zwischen W e i z m a n n und B r a n d e i s, zwischen Simon und Weizmann, zwischen Washington und Pinsk alles gut sein werde. Darin liegt nicht der Schwerpunkt. Der Schwerpunkt liegt darin, daß wir unseren ersten Sieg nicht auszunützen verstanden haben. Wir haben nicht die Kraft gehabt, zu realisieren, was wir bekommen haben, und wir haben mehr bekommen, als wir verdient 242

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