Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 251)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4541-3480685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ich spreche hier im Namen einer großen zionistischen Gruppe in England, im Namen des Orders of Ancient Maccabeans und ich betone, daß wir Maccabeans nicht hierhergekommen sind, um Kritik zu üben, sondern um Aufklärung zu erhalten. Wir werden wie bisher der vom Kongreß in legaler und rechtmäßiger Form erwählten Leitung in loyaler Weise Folge leisten und sie moralisch und materiell stützen und sie ermutigen. Wir Makkabaer verurteilen jeden Versuch, die Autorität der Leitung zu untergraben. Wir sind für Autorität, Ordnung und Einheit in den Reihen der zionistischen Bewegung und wir bitten Sie, nachdem Sie die Aufklärungen erhalten haben, mit uns zusammen die Arbeit unserer Führer mit all Ihren Kräften zu unterstützen. Vizepräsident Dr. Klumel: Das Wort hat der Herr Delegierte Farbstein. Delegierter Heschel Farbstein (Misrachi, Polen, spricht jüdisch): Hoher Kongreß! Nicht viele von uns haben nach den Geschehnissen von Jaffa gehofft, auf diesem Kongreß die Beschlüsse von San Remo realisiert zu finden. Aber es war jedenfalls eine große Zahl von Delegierten, die darauf gerechnet haben, daß die Beschlüsse von San Remo sich bereits auf dem Wege nach Jerusalem befinden würden. Leider finden wir hier auf dem Kongreß eine traurige Lage. Die Beschlüsse von San Remo haben sich wohl von ihrem Orte gerührt, aber statt Fortschritte zu machen, haben sie Rückschritte gemacht. Wir dürfen aber darum die großen Verdienste unserer Führer nicht unterschätzen, die sie um die Befreiung und Zurückgabe von Erez Israel an das jüdische Volk sich erworben haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß nach E s r a und N eh e m i a sie die Galerie unter den Manhigim einnehmen sollten. Trotzdem ist auch die Kritik berechtigt, damit sie in Zukunft die Fehler vermeiden. Als wir in London waren, hat in einem Privatgespräch unser lieber, geehrter Dr. W e i z m a n n gesagt: für mich bleibt nichts übrig als entweder zu resignieren oder die Leitung der Bewegung zu übernehmen. Ich weiß heute nicht, welche Antwort man diesem großen Manhig hätte geben sollen. Ich hoffe, Herr Dr. W e i z m a n n wird sich nicht beleidigen, wenn ich ihn mit einem anderen Führer vergleiche, der die politischen Verhandlungen mit Moab und Ammon führte; als aber die praktische Arbeit begann, sagte man ihm, jetzt ist nicht mehr die Zeit für dich, jetzt mußt du einem andern Platz machen. Unser Führer Dr. W e i z m a n n hat Recht, wenn er uns offenherzig sagt: Ihr kommt daher und schimpft und dann müßt ihr mich noch einmal wählen. Daß wir keinen J o s u a haben, daran ist unsere Leitung schuld, die uns keinen erzog. Im Gegenteil, nicht nur sieht man nicht genug darauf, tüchtige Kräfte in der Leitung zu erhalten, sondern man vertreibt sie daraus. Ich gehe kurz zu der amerikanischen Reise über. Ich kann mir die großen Schwiergkeiten vorstellen, die unsere Führer vorfanden, als sie nach Amerika gingen. Unser lieber Ussischkin, der eine Verkörperung des alten Zionismus ist, vor dessen Energie und Kraft wir die größte Achtung haben, durfte nicht nach Amerika fahren. Ich will nicht sagen, daß es eine Taktlosigkeit war, aber korrekt war es jedenfalls nicht. Weil Brandeis in London einen Kampf gegen Ussischkin geführt hatte, durfte Ussischkin nicht nach Amerika fahren und einen Kampf gegen Brandeis führen. (Zustimmung.) Wir hören heute von den Amerikanern, daß Dr. W e i z m a n n den besten Willen mitbrachte, Frieden zu machen. Und wenn ihn jemand daran gehindert und gestört hat, so war es Ussischkin. (Zustimmung.) Ich verstehe ja, Rache ist vielleicht süß, sie ist aber nicht politisch. Wir haben keine überflüssigen Kräfte, so kann man unsere Arbeit nicht 16 241