Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 253)
- Language
- German, English, Hebrew
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haben. Herr Sokolow hat einmal gesagt: Der Schabbes ist gekommen und der Erew Schabbes ist vorbei. Nein, der dauert noch an und keiner kann sagen, wie lange er noch dauern wird. Das ist der Schwerpunkt der Situation. Ich gehe nun über zu den Vorwürfen, die der Leitung von der Opposition gemacht werden. Die Exekutive hatte hier eine sehr leichte Opposition, oder genauer gesagt, die Opposition hat der Exekutive ihre Arbeit viel zu leicht gemacht. Das, was die Herren Simon und de Lieme hier vorgetragen haben, sind, wenn auch wichtige, doch nur technische Angelegenheiten. Das ist doch kein Programm für eine Opposition auf einem Kongresse. Das sind Sachen, mit welchen man in das Aktionskomitee kommt. Es handelt sich um das System und da komme ich zu zwei Fragen, über welche ich kurze Zeit reden muß. Erstens sagt man uns: Wir können nicht arbeiten, weil uns der nationale Kampf stört. Das ist eine Phrase. Nicht um den Nationalismus handelt es sich, sondern darum, ob die Juden ein Volk sind oder nicht. Der nationale Kampf, sagt Simon, soll in jedem Lande besonders geführt werden und die Zionistische Organisation als ganze soll sich damit nicht befassen. Ich muß da sagen, ich verstehe die Sache nicht. Der Kongreß beschäftigt sich nicht mit dem nationalen Kampf, die Leitung beschäftigt sich nicht mit dem nationalen Kampf in der Diaspora. Keine Landsmannschaft, keine zionistische Organisation würde sich ihre Taktik im nationalpolitischen Kampf von einer internationalen Leitung diktieren lassen oder solche Dinge auf dem Kongreß behandeln lassen, die nur dieses oder jenes Land angehen. Man kann doch nicht Zionist sein und dabei gegen den Kampf auftreten, den die Landsmannschaft für die nationalen Interessen im Lande führt. Das halten wir für eine Gefahr und für einen ungeheuren Schaden für die ganze Bewegung. Niemand kann leugnen, daß der nationale Kampf des jüdischen Volkes in allen Ländern in dem Kampfe für Palästina gipfelt. Wenn man hier sagt, daß diese beiden Seiten unseres nationalen Kampfes getrennt sein sollen, dann ist es eine ungeheure Gefahr für unsere Bewegung. Es ist ein Glück, daß 1918 das Kopenhagener Bureau 3 Punkte als Kriegsziele der zionistischen Bewegung proklamiert hat und darunter war der Kampf um das nationale Recht im Galuth. Dies war ein Glück, sonst hätten wir nach dem Sieg der Bolschewiken in Rußland und nach dem Aufhören der deutschen Okkupation in Polen zu den Massen nicht kommen und ihnen sagen können, daß das jüdische Volk ein einheitliches Volk ist und daß man einen Kampf um nationale Rechte nicht führen kann ohne Erez Israel und einen Kampf um Erez Israel ohne den Kampf um nationales Recht. (Großer Beifall.) Ich erinnere an die Kämpfe, die wir vor der Balfour-Deklaration und vor San Remo in England, in Petersburg, Warschau und New York geführt haben. Um was hat es sich gehandelt? Um den Zusammenhang zwischen Erez Israel und Galuth, um die Untrennbarkeit des nationalen Kampfes in der Diaspora von dem nationalen Kampfe für Palästina. Wir haben immer erklärt, wir sind ein Volk und können nur dann als ebenbürtiges Volk anerkannt werden, wenn wir einem Vaterlande zustreben. Nur dann können wir auch als Volk Minderheitsrechte fordern. Wenn wir dagegen in Polen ein Stamm sind und in Rußland ein anderer und wenn wir ohne Erez Israel Rechte erlangen wollen, dann können wir uns nur auf die jüdische Sprache berufen. Dies ist aber zu wenig. Wir haben zu wenig Kräfte, um den Kampf zu führen, genau so wie die Arbeiter, welche ihren Kampf nicht führen können, wenn nicht hinter ihnen die Arbeiter der ganzen internationalen Welt stehen. Auch der Jude kann seinen Kampf nicht führen, wenn hinter ihm nicht das 16* 243