Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 248)
- Language
- German, English, Hebrew
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Das Wort bekommt der Herr Delegierte Grünbaum. (Nach einer Pause:) Auch Herr Grünbaum ist nicht anwesend und verliert das Wort. Zum Worte gelangt nunmehr der Herr Delegierte Allan. Delegierter Isaac Allan (Misrachi Amerika, spricht jüdisch): Als Delegierter des Misrachi in Amerika will ich hier einige Worte sagen. Sie haben hier verschiedene Redner über Amerika sprechen hören und verschiedene Wahrheiten über die Zustände drüben vernommen. Sie haben zuerst die Wahrheit gehört in den Einleitungsreden,, dann die Wahrheit von G o 1 d b e r g, dann von L i p s k y und dann von Dr. Levin. Nun will ich Ihnen auch einige Wahrheiten über Amerika berichten. Die allgemeine Auffassung ist, daß die Zionistische Organisation ihr Heil nur von Amerika erwarten kann, daß Palästina nur von Amerika aufgebaut werden kann. Das bedeutet, daß von Amerika große Summen geleistet werden müssen. Da ich in der Exekutive des Keren Hajessod in Amerika sitze, kann ich Ihnen sagen, daß die Gelder, die' im Verlauf der letzten drei Monate eingegangen sind, ein sehr klägliches Ergebnis darstellen. Unsere Führer sind an der Spaltung in unserer Landesorganisation nicht schuldig, aber ich für meine Person «glaube, daß B r a n d e i s und sein Anhang im Recht sind. Das Unglück liegt nur darin, daß B r a n d e i s wohl Ratschläge und Meinungen abgeben wollte, aber nicht gewillt war, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen und die Verantwortung zu übernehmen. Er wollte nur Ratschläge geben und kontrollieren, und die Arbeit hätten andere tun sollen. Das war eine unmögliche Sache, und die Spaltung war unvermeidlich. Wenn man über die zionistischen Leitungen und ihre Tätigkeit in Amerika spricht, beschränkt man sich gewöhnlich nur auf ein Jahr ihrer Tätigkeit. Ich gehe weiter und sage, daß die gegenwärtige Lage eine Folge der früheren Fehler ist. Man hat es nicht verstanden, das amerikanische Judentum für Erez Israel zu gewinnen. Die Zionistische Delegation aus Amerika hier am Kongreß ist nicht die wahre Vertretung des jüdischen Volkes in Amerika, ich meine, desjenigen Volkes, das imstande ist, Palästina aufzubauen. (Zur amerikanischen Delegation gewendet:) Haben Sie die Schlüssel zu den Taschen des amerikanischen Judentums? Das amerikanische Judentum, welches durch Männer wie Schiff und M a r s h a 11 repräsentiert wird, konnte sehr leicht für Erez Israel gewonnen werden, wenn man politisch gehandelt hätte. Ich will eine kleine Geschichte als Beispiel erzählen: Vor einigen Jahren hielt der verstorbene Jacob Schiff in einer öffentlichen Versammlung eine pro-palästinensische Rede voller Liebe für Erez Israel; ich betone, nicht eine pro-zionistische, sondern eine pro-palästinensische Rede. Dr. Schmarja Levin war damals Redakteur des offiziellen Organs der amerikanischen Zionisten „Das; Jiddische Volk" (Zwischenruf des Delegierten Goldenberg: Das ist nicht richtig!) Sie werden bald finden, ob das, was ich sage, richtig ist oder nicht. Nun dachten wir damals, jetzt ist die richtige Gelegenheit gegeben, an das jüdische Volk heranzutreten mit dem Ruf: Baut Palästina auf. Wir fragen nicht nach Eurem Ani-Maamin (Glaubensbekenntnis); Wir fragen Euch nicht, ob Ihr das Baseler Programm anerkennt oder nicht. Hier handelt es sich um den Aufbau Palästinas. Was hat aber damals Herr Dr. Levin getan? Er schrieb einen „Offenen Brief'4 an Herrn Schiff, in dem sich folgender Satz befand: Herr Schiff, wenn Sie für Palästina arbeiten wollen, treten Sie in unsere Zionistische Organisation ein, bezahlen Sie den Schekel, und Sie werden die Möglichkeit erhalten, beim Aufbau Palästinas mitzuarbeiten. Ich und Masliansky, denen die Sache Palästinas teuer war, arrangierten nach der Rede Schiffs eine Versammlung, haben ein Arbeitspro- 238