Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 245)
- Language
- German, English, Hebrew
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Präsidenten Weizmann, ein Zeugnis der Ausdauer und der politischen Weisheit S o k o 1 o w s. Groß — und das wollen wir voll, ganz und dankbar anerkennen — sind die politischen Erfolge, die diese Männer für uns errungen haben. Umsomehr ist es zu bedauern, daß so große, freilich rein politische Erfolge nicht ausgenützt worden sind zur Schaffung der materiellen und ökonomischen Basis für den Aufbau von Erez Israel. Es ist wahr, man sammelte Spenden mit Energie, mit einem Aufwand von großer Kraft und großem Enthusiasmus. Es scheint, die Finanzräte unserer Leitung hegten und hegen noch immer den naiven, kindlichen Glauben, daß diese Quelle der Einnahmen fortdauernd und in wachsender Stärke fließen werde durch gute und schlechte Zeiten, um die stetig steigenden Geldbedürfnisse zu befriedigen. Man hat noch immer nicht erkannt, daß Enthusiasmus allein nicht genügt, um unser Schiff ständig vorwärts zu bringen und daß schließlich auch die schönsten Reden keinen Erfolg mehr ergeben können. Der Bericht selbst konstatiert klagend: „Teils infolge der Finanzkrise der ganzen Welt, teils infolge der unsteten Lage der Zionistischen Organisation nahmen die Mittel der Zionistischen Kommission während dieser Periode sehr bedeutend ab. Unglücklicherweise trat dies gerade in dem Augenblick ein, wo neue und große Möglichkeiten für die konstruktive Arbeit sich unserer Bewegung eröffneten. Die Einwanderung wurde seitens der Regierung gefördert, Bodenkauf wurde wieder zugelassen; sowohl die Regierung als auch die Araber erwarteten, daß die Juden Kapital in das Land bringen, Banken gründen, öffentliche Arbeiten unternehmen, Boden kaufen und neue Kolonien schaffen würden. Diese Erwartung erfüllte sich nicht." Ja, diese Erwartungen erfüllten sich nicht, und sie erfüllten sich nicht, weil man die ungeheure Sünde beging, eine Gelegenheit zu versäumen, die wohl kaum in absehbarer Zukunft wiederkommen wird, um die großen Fonds zu schaffen, deren wir bedürfen. (Unruhe.) Ich bin kein Redner; aber die Tatsachen, die ich mitteilen will, verlangen Aufmerksamkeit, und ich bitte Sie, mir Ihre Aufmerksamkeit für einige Minuten zu schenken. Ungefähr im Juni 1918 gelang es den Bemühungen S o k o 1 o w s, für die Jüdische Kolonialbank die Erlaubnis zu erwirken, Aktien ausgeben zu dürfen. Ich war seinerzeit der alleinige Direktor dieser Bank in London und mit Hilfe einiger Freunde und der englischen Föderation, aber ohne viel Propaganda und Kosten, plazierten wir ungefähr 150 000 Pfund in etwa drei Monaten. Meine Herren! Das war kein großes Kunststück, weil dazumal die Ausgabe von Aktien im allgemeinen seitens Privater verboten war und infolgedessen nur Staatsanleihen angeboten wurden und bedeutende Nachfrage nach anderen Wertpapieren existierte. Es kommt noch hinzu, daß Geld damals leicht erhältlich war. Die günstigen Verhältnisse im Geldmarkte hielten aber an bis nach der San Remo-Konfernz, ja sogar bis gegen Ende 1920. Aber abgesehen von der erwähnten unbedeutenden Ausgabe von 150 000 Pfund, die ich nur erwähne, um zu zeigen, was damals gemacht werden konnte, geschah nichts, absolut nichts, um die ungewöhnlich günstige Lage auszunützen trotz meines Bittens und Drängens. Ich habe keinen Zweifel, daß es damals verhältnismäßig nicht sehr schwierig gewesen wäre, die Aktienreserve der Jüdischen Kolonialbank von über W2 Millionen zu plazieren. Es wäre nicht schwierig gewesen, die Anglo-Palestinebank durch Vergrößerung des Kapitals wesentlich zu stärken und diese günstige Periode hätte ausgenützt werden müssen für die Gründung von Hypothekenbanken und anderen Unternehmungen. Aber nichts wurde getan, trotzdem die Valuta in den östlichen Ländern damals noch verhältnismäßig gut war und das jüdische 235