Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 243)
- Language
- German, English, Hebrew
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haben, müssen es blutenden Herzens ansehen, daß drei Tage mit solchen Blödsinnigkeiten in Anspruch genommen wurden. Vizepräsident Dr. K!umel (unterbrechend): Ein solches Wort wie „Blödsinnigkeiten" ist vollständig unzulässig. Es haben alle Redner zur Sache gesprochen. Ich bitte, das Wort zurückzunehmen. Delegierter Dr. Daiches (fortfahrend): Ich ziehe das Wort „Blödsinnigkeiten" sehr gerne zurück. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, daß dieser Kongreß vielleicht eine Wendung in der zionistischen Bewegung bedeuten wird. Wenn Weizm a n n und S o k o 1 o w so große Resultate erzielt haben, so geschah es deshalb, weil sie in Eurem Namen sprachen, weil sie im Namen des jüdischen Volkes sprachen. Und glauben Sie mir, England — und England spielt doch heute eine Rolle im Zionismus — und alle andern Staaten, die von Bedeutung sind, werden nicht fragen, ob und warum Simon und d e L i e m e in die Exekutive eintraten und aus der Exekutive austraten. Sie werden nicht fragen, ob unsere Politik „proklamatorisch" oder „occasionistisch" ist. Sie werden fragen, ob der Kongreß seinen Führern Weizmann und Sokolow die Autorität für die Zukunft gegeben hat oder nicht. (Lebhafte Zustimmung.) Das ist die große Aufgabe dieses Kongresses und daher ist es sehr zu wünschen, daß wir die Bedeutung dieses Kongresses nicht aus dem Auge verlieren. Was die Kritik der Herren Simon und de Lieme betrifft, so ist darüber schon vieles gesagt worden, vor allem heute so schön und sachlich von Herrn Dr. R u p p i n. Aber wenn Sie sich fragen, was eigentlich Herr Simon mit seinen Ausführungen bezweckt hat, so werden Sie in allen Ausführungen der Herren Simon und de Lieme keinen einzigen Beweis, sondern nur leere Behauptungen gefunden haben. Herr Simon sagt, — um nur auf einen Punkt hinzuweisen, — wir haben hier auf der einen Seite nationale Arbeit in der Diaspora, auf der andern Seite ökonomische Arbeit in Palästina. Ich halte das für eine Irreführung des Kongresses. Denn wir haben nicht auf der einen Seite nationale Arbeit in der Diaspora und auf der andern Seite ökonomische Arbeit in Palästina, sondern wir haben auf der einen Seite nationale Arbeit in Palästina und auf der andern Seite ökonomische Arbeit in Palästina. Darauf kommt es an. Herr Simon beklagt sich über die Führung. Als er im November 1918 nach London kam, da fand er alles vor: die Deklaration, das Bureau in Piccadilly, welches Weizmann und Sokolow errichtet hatten, und Herr Simon sagt ja selbst, daß er zur Mitarbeit aufgefordert wurde. Ich möchte wissen, worin die Exekutive gefehlt hat und wodurch sie die Gunst des Herrn Simon verloren hat. Herr de Lieme macht sich lustig über die Arbeit von Herrn Sokolow und das Herumfahren von Weizmann. Ich wünschte, wir hätten noch 10 Weizmanns und noch 10 S o k o 1 o w s, dann könnten sie gleichzeitig die Arbeit in London, Paris, New York, Washington und Palästina leisten. Leider haben wir nur diese zwei Männer. Wo Großes zu erreichen und zu leisten ist und wo eine Katastrophe zu vermeiden ist, da müssen immer Sokolow und Weizmann und immer wieder Weizmann und Sokolow herhalten. Das ist vielleicht ein Vorwurf gegen uns, aber nicht gegen diese Männer. Und wenn Herr de Lieme, ich muß es sagen, in leichtsinniger Weise von der Deklaration und von der Bestätigung der Bestätigung usw. gesprochen hat, so kann ich das nur als eine Blasphemie betrachten, denn es gab doch Momente, wo wir nach einer Bestätigung gelechzt haben. Es gab eine Zeit, wo F e i s a 1 eine große Rolle spielte und wo es auf 233