Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 242)
- Language
- German, English, Hebrew
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Volkskapitals und der Heranziehung der Privatinitiative, der man die Steine aus dem Wege räumen sollte. Man könnte zwar meinen, daß damit das Privatinteresse einzelner Personen verfolgt werde. Wollte Gott, daß es so wäre, und daß damit eine Menge unternehmungsfähiger Personen hereinkäme. Diese zwei Arten der Mittel, die ich genannt habe, sind aber noch nicht genügend. Der Aufbau eines Landes verlangt solche ungeheure Mittel und ist nur dann möglich, wenn auch fremdes Kapital herangezogen wird. Das wollte man durch die Einrichtung eines Economic Councils erreichen. Ich habe damals gedacht, daß jetzt die unerschöpfliche Quelle des internationalen Kapitals dazukommen wird. Ich habe gehofft, daß man durch den Economic Council für Erez Israel große auswärtige Kapitalien heranziehen wird. Leider ist dies bis jetzt nicht der Fall. Ich muß den Vorwurf erheben, daß sehr wenig getan worden ist, damit der Economic Council in London und New York nicht nur eine papierene Institution bleibt, sondern eine wirklich aktive Institution wird. Die drei Arten von Kapitalien: Privat-, Volks- und internationales Kapital müssen beim Aufbau des Landes herangezogen werden. Ich bin sicher, daß nur bei gemeinsamer Zusammenarbeit aller dieser Kräfte der erfolgreiche Aufbau gelingen wird. (Beifall.) <» Vizepräsident Dr. Kiumel: Herr Dr. Daiches hat das Wort. Delegierter Dr. Samuel Daiches (England, beginnt seine Rede in englischer Sprache): Geehrter Kongreß! Erlauben Sie mir zu sagen, es ist eine Freude, auszurufen „geehrter Kongreß", denn wenn der Zionisten-Kongreß tagt, scheint die Sonne des Friedens über der Menschheit, und in Palästina bricht die Freiheit an. (Lebhafter Beifall, Redner setzt seine Rede in deutscher Sprache fort.) Nach 8 Jahren sind wir wieder auf dem Kongreß zusammengetreten, ein einig Volk von Brüdern, die Hände zusammengeschlossen, die Herzen vereint, von dem einen Gedanken beseelt, wieder das Volk des Landes Israel zu sein. Aber ich muß sagen, ich habe in diesen 3 Tagen nicht gemerkt, daß hier das Verständnis dafür herrscht, daß wir seit 8 Jahren wieder zum ersten Mal auf dem Kongreß versammelt sind. Ich habe nicht gemerkt, daß dieser Kongreß offiziell Notiz genommen hätte, von all dem, was in diesen letzten Jahren vorgefallen ist. Die Londoner Konferenz war vielleicht ein Unglück. Sie war aber vielleicht auch ein Glück, denn wenn es keine Londoner Konferenz gegeben hätte, hätte vielleicht dieser Kongreß das Schicksal der Londoner Konferenz gehabt. Die Vorsehung hat aber die Ehre dieses Kongresses rein erhalten wollen, und daher fand zuerst die Londoner Konferenz statt und dann dieser Kongreß. Denn, meine Herren, warum sprechen wir so viel über B r a n d e i s und M a c k und die anderen Amerikaner, die auf keinem Kongreß anwesend gewesen sind? Der Kongreß kennt doch noch gar nicht die Brandeis-Zionisten. Warum sprechen wir so viel über die Herren Simon und de Lieme? Wir, die wir die letzten Jahre in England gelebt und die Tätigkeit unserer Führer gesehen haben, wie schwer sie gearbeitet haben, wie jeder Erfolg mit der allergrößten Mühe errungen worden ist, wie Weizmann, Sokolow und der selige Tschlenow von Staatsmann zu Staatsmann gingen, von Minister zu Minister, von einem Amt zum andern, von einflußreichen Leuten zu anderen einflußreichen Leuten, wie ein Meeting nach dem andern arrangiert wurde, um die Balfour-Deklaration und alles, was darauf folgte, zu erzielen, wir, die wir alle diese Jahre das alles mitgemacht und gesehen haben, was diese Männer geleistet haben, wie sie es geleistet haben und welche großeErrungen- Schäften sie in England und in der ganzen zionistischen Welt errungen 232