Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 238)
- Language
- German, English, Hebrew
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über in hohen, guten, schönen Häusern ihre Brüder wohnen, die ein angenehmes Teil erhielten. Achtet doch darauf, sehet doch, was sie denken über alles, was geschieht, und denkt auch nach über das Ideal der Einheit des Volkes und über die gegenseitige Verantwortlichkeit! Auch die Kreditverhältnisse im Lande sind sehr schwer. Es ist unmöglich, Geld zu bekommen, auch für die vertrauenswürdigsten Menschen und bei der sichersten Bürgschaft. Leute, die Edelsteine und Juwelen in der Tasche haben, laufen viele Tage hintereinander umher, um gegen ihre eigene Bürgschaft eine Geldsumme zu finden — und sie finden sie nicht, und wenn sie sie finden, bezahlen sie bis zu 7—8 Prozent im Monat. Als sich alle Leih- und Sparkassen im Lande vereinigten und darum, baten, daß man ihnen eine gewisse Summe als Anleihe gebe, fand auch nicht eine von allen unseren Kolonien die Möglichkeit, dies zu tun. Im Laufe dieser ganzen Zeit siedelte sich auch nicht einer mit Hilfe unserer Organisation als Bauer an. Das ist der allgemeine Zustand — nichts geschieht, und jeder wundert sich und fragt, ob wir eine Organisation haben, die dafür sorgen muß, die Kolonisation im Lande zu erleichtern — wo ist sie, warum sehen, hören und fühlen wir nicht ihre Arbeit? Wenn wir uns beklagen, dann sagt man uns: Gut, du hast recht, aber was ist zu tun? Es ist kein Geld da, und wo es nichts gibt, da hat der Kaiser sein Recht verloren. Unmöglich kann man alle diese Dinge ohne Geld tun. Aber warum hat man immer Geld für die Erziehung? Für die Erziehung gibt es auch ein Komitee, in dem alle Institutionen vertreten sind, die eine Beziehung dazu haben — warum haben wir nicht ein allgemeines Komitee, ein politisches Komitee, ein Emigrationskomitee usw.? Wir sind nicht gegen die Erziehung, und nicht gegen ein Erziehungskomitee erheben wir unsere Stimme, sondern für die obenerwähnten Komitees, die uns auch so notwendig sind, nicht gegen das Budget des Erziehungskomitees erheben wir Klage, sonden es schmerzt uns, daß wir keine Budgets haben für die übrigen Dinge, die ich erwähnt habe, und deren Notwendigkeit wir so sehr fühlen. Vielleicht wäre es möglich gewesen, das vorhandene Geld auf eine andere, passendere Art zu verwenden — wichtiger aber ist für uns die Frage: Warum haben wir kein Geld? Wir im Lande haben es gesehen — vor anderthalb Jahren verkündete man eine Geulah-Woche, und im Laufe jener Tage sammelten wir etwa 100 000 Pfund. Würden wir heute sammeln, so bin ich sicher, daß man auch nicht 1000 Pfund zusammenbringen würde. Denn die Begeisterung ist zu Ende, und es verlosch jene heilige Feuerflamme, ohne die es unmöglich ist, etwas zu tun; und hier treffen wir auf eine andere, noch wesentlichere Frage, die Frage der Menschen. Wir haben keine Menschen. Kritisiert man das System von diesem oder jenem, so wird man gefragt: Wenn du einen anderen, besseren an seiner Stelle hast, gut, wenn aber nicht, warum erschütterst du die Lage eines Menschen, der uns heute und morgen nötig ist, und machst beschäftigte Hände in unserer Arbeit untätig? Und wir stehen staunend und sagen: Wie ist es möglich? Wir sind heute eine Organisation von 800 000 Menschen, die größte aller Organisationen der Welt, die Organisation des ganzen Volkes Israel, und wir haben nichts. Auch bei diesem Kongreß ist der Platz vieler unserer Freunde leer, die wir an der Spitze aller Kongresse zu sehen gewöhnt sind. Es fehlt bei uns heute Nordau, und das nicht nur wegen seiner Krankheit, es fehlen Marmore k, Klee und noch mehr. Die Neuen sehen wir nicht. Wir warteten darauf, daß LordRothschild kommen würde, aber wenn wir ihm auch versprochen haben, ihn zu ehren, er kam 228