Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 227

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 227 (sequence 237)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4527-3480671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

einige, dies werde uns schaden, denn 'unsere Gegner werden sich der Gegensätze unter uns bedienen, um üble Nachrede wider uns zu führen; und andere sagen, daß dies auch um unseretwillen gefährlich sei. Ich stimme solchen Worten nicht bei. Unser Volk ist ein weises und verständiges Volk und weiß, daß das, was man tut, unmöglich fehlerlos sein kann — man darf nur nicht die Augen schließen, um nicht zu sehen und die Ohren verstopfen, um nicht zu hören — und dann wird es möglich sein, alles rechtzeitig zu verbessern, und es wird kein Hindernis auf unserem Wege sein — man muß nur auf der Hut sein und achtgeben und sich bemühen, eine lokale Krankheit sofort zu beseitigen, wenn man sie erkennt und darf ihr nicht die Möglichkeit geben, in den Körper einzudringen und ihn zu vergiften. Nicht die Kritiker haben gegen unsere Bestrebung gesündigt, sondern jene Leute, die aller Kritik widersprechen und es nicht gestatten, die nötigen Verbesserungen vorzunehmen. Meine Herren! Unser Zustand im Lande ist sehr schlimm, politisch und allgemein. Wir haben keine Sicherheit im Lande, keinen Schutz des Lebens und des Besitzes. Im Laufe der Zeit erhob sich gegen uns im Lande eine große und schreckliche Macht — das arabische Komitee — das sich aller Mittel bedient, um uns zu schaden und uns unmöglich zu machen. Auch die Regierung verhält sich nicht sehr liebevoll zu uns. So ist es nicht verwunderlich, daß eine große Unzufriedenheit im Lande herrscht, da die Bewohner, die nur auf Grund der Folgen urteilen, sagen, unsere Politik sei nicht gut, wenn sie zu solchen Folgen führe. Noch schlimmer ist der allgemeine Zustand in allen Reihen des Volkes. Schlimm ist der Zustand der Kolonisten, sowohl der Landwirte als der Pflanzer. Der Preis der Bodenprodukte ist niedrig — auch besteht keine Nachfrage danach — fast alle sind in Schulden verstrickt und zahlen etwa vierzig oder mehr Prozent im Jahre allen, die Geld auf Zinsen leihen, unter ihnen auch den Arabern; unter solchen Bedingungen können sie aber nicht bestehen. Noch schlimmer ist der Zustand der Arbeiter. Augenblicklich haben sie noch irgend eine Arbeit. Noch ist die Arbeit auf den Chausseen nicht ganz beendet, noch gibt es Saisonarbeit bei der Weinlese und Olivenernte und noch baut man Häuser in Tel-Awiw; aber bald wird die Arbeit auf den Chausseen beendet sein, und eine neue Arbeit wird man ihnen nicht geben, auch die Arbeit in den Weinbergen wird aufhören, auch die Zeit des Häuserbauens wird vorübergehen, eine große Krise steht uns bevor. Eine Gefahr schwebt nicht über den Häuptern von Hunderten, sondern von Tausenden von Arbeitern, und niemand achtet darauf. Die Preise sind sehr hoch, höher als an irgend einem anderen Orte der ganzen Welt, und diese Teuerung gibt uns keine Möglichkeit, im Lande die Industrie einzuführen, denn unter solchen Bedingungen ist es unmöglich, mit dem Weltmarkt zu konkurrieren, der alle unsere Kolonisationsarbeit stört — und Zeichen des Kampfes gegen die Teuerung haben wir nicht gesehen. Es gibt keine Wohnungen im Lande. In Tel-Awiw z. B. bezahlt man für ein Zimmer ohne Möbel und ohne jegliche Bedienung vier Pfund im Monat — zu derselben Zeit, da der Arbeiter nur 6—7 Pfund im Monat verdient, auch wenn er Glück hat und nicht müßig geht, die ganze Zeit beschäftigt ist und nicht krank wird. Viele Zelte stehen in der Stadt, die von Familien bewohnt werden, vielfach von sotahen, die früher ein reiches Leben geführt haben, und die nur die Liebe zum Land und ihre Hingabe an unsere erhabene Bestrebung hierher führte. Der Winter kommt und wir sind nicht sicher, ob sie nicht auch in den kalten Tagen der Winterzeit dort wohnen müssen, während ihnen gegen- 15* 227

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.