Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 230)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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bin nur hier, um die Wahrheit zu sagen und nicht, um mit Ihnen zu polemisieren. Sie können es mir glauben, es geht mir nur um die Sache und nicht darum, im Kampfe Sieger zu sein. Darauf lege ich keinen Wert. Ich weiß nicht, was Herr de Lieme gemeint hat, als er von dem Unterschied sprach zwischen den Straßenarbeitern, die vorzüglich seien und den landwirtschaftlichen Arbeitern. Ich finde, daß dieselben Arbeiter, die die Straßenarbeiten machen, auch die landwirtschaftlichen Arbeiten verstehen. Es ist ein ständiger Wechsel dieser Personen. Wenn Sie davon überzeugt sind, daß die Arbeiter bei den Straßenarbeiten gut organisiert sind, warum sollte dasselbe Menschenmaterial nicht auch bei den landwirtschaftlichen Arbeiten arbeiten . . . (Delegierter de Lieme: Genau dasselbe habe ich gesagt!) Vielleicht habe ich Sie nicht verstanden. Herr de Lieme hat dann meinen Ausdruck angegriffen: Kolonisation auf Ratenzahlung. Meine Herren! Was meine ich mit Kolonisation auf Ratenzahlung? Als ich nach Palästina kam, brachte ich sozusagen keinen Pfennig als Mitgift mit. Man verlangte von mir gewaltige Taten. Praktische Arbeit sollte getan werden. Um eine Kleinigkeit, um das Geld, das dazu notwendig war, hat man sich damals nicht gekümmert. Ich war gezwungen, mit lächerlichen Beträgen, mit wenigen 1000 Franken landwirtschaftliche und städtische, industrielle und was weiß ich Kolonisation zu beginnen. Daß ich es damals nicht dem reichen Baron Rothschild und der Ica gleichtun konnte, die ungezählte Millionen hatten, daß ich nicht daran denken konnte, so und so viele Hunderte Menschen anzusiedeln, ist klar. Nun mußte aber doch etwas geschehen. Der Zustand war nicht so, daß man ruhig dasitzen konnte. Es war eine Stagnation in der Einwanderung, es war eine Unzufriedenheit in allen Kreisen der Arbeiter. Da habe ich — übrigens gezwungen durch die Tatsache, daß wir verschiedene Ländereien hatten, die besiedelt werden mußten — den Ausweg gewählt, diese Terrains zu Farmen auszugestalten, weil es in diesem Falle nicht nötig war, jedem Arbeiter, sagen wir, ein Haus zu bauen, weil es die Kolonisation des armen Mannes war, so wie sie mir möglich war, vom Gesichtspunkte des armen Kolonisators aus gesprochen. Es ist uns gelungen, mit ganz geringen Summen — Sie werden mit Staunen hören, daß bis zum Jahre 1914 in diese ganzen Betriebe vielleicht 50 000 bis 60 000 Pfund hineingesteckt wurden — durch diese landwirtschaftlichen Betriebe neues Leben in Palästina zu erwecken und viele Hunderte von Arbeitern der Landwirtschaft zuzuführen. Aber diese Betriebe waren von Anfang an aus Mangel an Geld nur provisorisch eingerichtet. Wir waren jedes Jahr gezwungen, Neuanschaffungen zu machen. Es mußte jedes Jahr etwas zugebaut werden, das Inventar mußte komplettiert werden und aus den geringen Geldmitteln wurde immer etwas Neues angeschafft. Das nenne ich Kolonisation auf Ratenzahlung. Es ist nicht damit gemeint, daß man aus den Erträgen der eigenen Farm sich selbst weiter ausgestaltet. Auch das ist ja geschehen. In Dagania, wo von Anfang an Gewinne erzielt wurden, wurden die Komplettierungen aus den Erträgnissen der Farm gemacht. Aber nicht in allen Fällen haben 220