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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 218

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 218 (sequence 228)
Language
German, English, Hebrew
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Ich komme nun zu anderen Posten. Herr Simon sagt in Bezug; auf die volle Ausrüstung (Füll Equipment), er wolle den Arbeiter nicht versorgen, wie ich es wolle, sondern ihn nur kreditfähig machen. Nach Ruppins Plänen dagegen sei geschäftliches Kapital für landwirtschaftliche Ansiedler nicht aufzubringen. Er kommt darauf, daß man nur ansiedeln könne, wenn die Leute eigene Ersparnisse hätten. Theoretisch bin ich damit ganz einverstanden. Ich lese Ihnen aus einer Rede vor, die ich auf dem Kongresse in Wien vor acht Jahren gehalten habe. Sie können also nicht sagen, daß ich Ihnen etwas weggenommen hätte. Es heißt dort: Wollen wir nicht wieder in die Fehler der früheren Kolonisation verfallen, so müssen wir von den Ansiedlern nicht nur verlangen, daß sie für den Beruf gut vorbereitet sind — das sollen ja eben die Farmen tun —, sondern daß auch die Installierung so erfolgt, daß kein Geld dabei verloren geht. Das setzt wiederum voraus, daß eine landwirtschaftliche Betriebsform mit vorherrschendem Getreidebau gefunden wird, welche dauernd befriedigende Erträge liefert, und daß der Ansiedler selbst wenigstens soviel besitzt, um das bewegliche Inventar aus eigenen Mitteln zu erwerben. In Zahlen ausgedrückt, heißt das, daß jeder Ansiedler mindestens 200 fr. eigenes Kapital haben und für einen Kredit von mindestens 15000 fr. völlige Sicherheit bieten muß. Da die jungen Leute zum allergrößten Teil ganz mittellos nach Palästina kommen, müssen sie diese 2000 fr. durch ihre Arbeit in Palästina selbst verdienen. Es ergeben sich also folgende drei Fragen: 1. In welcher Weise können Arbeiter in Palästina zu Ersparnissen kommen?" Es ist für mich eine Binsenwahrheit, daß unsere Kolonisation selbstverständlich eine andere wirtschaftliche Basis hätte, wenn sich die Arbeiter von vornherein materiell beteiligen können. Wenn man theoretisch richtige Sachen durchführen will und die Wirklichkeit bietet dazu nicht die Möglichkeit, so wird aus der richtigen Theorie ein falscher Doktrinarismus. Ich sage Ihnen und ich kann das wissen: Es gibt unter den jetzigen landwirtschaftlich erfahrenen Arbeitern in Palästina keine, die Ersparnisse besitzen. Die Herren dort sollen es mir bestätigen oder nicht. Wenn es den Arbeitern möglich ist, Ersparnisse zu machen, so können sie es nur tun, indem wir ihnen in verschiedentlichen Formen Zdokoh geben oder indem der Staat den Wert der Arbeit mit einem: höheren Lohne bezahlt. Das wäre aber dasselbe. Ich glaube bei den jetzigen Verhältnissen — Teuerung der Lebensmittel, Konkurrenz nichtjüdischer Arbeiter — nicht daran, daß sie in kurzer Zeit Ersparnisse machen können. Wir werden auf diese Forderung nicht verzichten und darauf zurückkommen, aber erst dann, wenn sie durchführbar ist. Nehmen wir an, daß ein Arbeiter schon jetzt imstande ist, Ersparnisse zu machen, es wird aber viele Jahre dauern, bis er sie in die Wirtschaft stecken kann. Was machen wir inzwischen? (Simon: Sie siedeln ihn nicht an!) Dafür kann ich die Verantwortung nicht übernehmen, (de Lieme: Das tun Sie doch jetzt auch! Sie haben doch bis heute auch nicht einen angesiedelt!) Ich kann in dieser Zeit, wo wir Aufgaben haben, viel, viel größere, als wir sie vor dem Kriege hatten, nicht die Verantwortung dafür 218

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