Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 227)
- Language
- German, English, Hebrew
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London, daß von jetzt ab die Gelder getrennt gehalten werden müssen. Damit war ich vollständig einverstanden, ich hätte nur den Zusatz gewünscht, daß die Herren das Geld für das Budget geschickt hätten, das ausständig war, und nicht uns mit den Goetheschen Worten hingestellt hätten: „Ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Pein." Es kam also ein Telegramm aus London, daß die Fonds getrennt gehalten werden sollen. Das geschah auch. Aber nun kamen die Emigranten, es war die Zeit, wo die ersten Chaluzim ankamen, die Zeit der Krankheiten, die Zeit, wo London kein Geld schickte. Da kam der Treasurer an die Verwaltung des jüdischen N. F., die aus Ussischkin, Ettinger und mir bestand, und sagte: Meine Kasse ist leer, Rimessen aus London sind wohl angekündigt, sind aber noch nicht da; ich muß auszahlen, ich habe für die Chaluzim zu sorgen, die Beamten zu bezahlen. Was mache ich? Ich sehe keinen anderen Weg als daß Sie mir das Recht geben, auf Grund der Gelder des N. F. eine Anleihe bei der Nationalbank zu machen. Ich bitte, geben Sie mir diese Ermächtigung. Ich habe mit Zustimmung der anderen Herren ihm die Ermächtigung gegeben, aber sehr ungern. Ich habe mich bereit erklärt, dem Treasurer eine persönliche Garantie für den dritten Teil dieses Betrages zu unterschreiben, um das Geld sicherzustellen. Aber gezahlt mußte werden. Der werfe den ersten Stein auf unsere Wirtschaft, der selbst in Palästina gewesen ist und die Situation am eigenen Leibe erfahren hat. (Lebhafter Beifall.) Es ist sehr leicht, von London aus gute Verhaltungsmaßregeln für die finanzielle Verwaltung zu schreiben. Aber es ist nicht möglich, in Palästina Leute sterben zu lassen, wenn die Rimessen nicht eintreffen und wenn man die Möglichkeit hat, durch eine Anleihe bei einem anderen Fonds über diese Gefahr hinwegzukommen. Was kann ich noch weiter sagen? Als Herr Simon nach Palästina kam und sich dieselbe Situation wiederholte, daß wir für dringende Ausgaben Geld haben mußten, das von London nicht gekommen war, hat derselbe Simon eine Anleihe bei der Bank gemacht und mich persönlich um die Garantie gebeten, die ich auch gegeben habe. Wenn zwei dasselbe tun, sollte es dasselbe sein, und er hat nicht das Recht, mich zu beschuldigen, da er es genau so getan hat wie ich. (Simon: Aber, Herr Dr. Ruppin!) Ist es unrichtig? (Simon: Ja natürlich!) Ich sage keine Unrichtigkeit, ich bemühe mich, ganz sachlich zu sein; denn sehen Sie, meine beiden Herren, ich habe das Verständnis dafür, daß wir mit den wenigen Leuten, die wir haben, säuberlich umgehen müssen. Ich werde nicht den Wert und die Autorität, die Sie in unseren Reihen haben, herabsetzen, denn wir werden Sie morgen wieder brauchen. (Lebhafter Beifall.) Und ich will haben, wenn Sie zu uns zurückkehren und wieder mit uns arbeiten oder an unserer Stelle arbeiten, wenn Ihnen das lieber ist, daß Sie bekleidet sind mit der Autorität, die eine volle Ausnützung Ihrer Tätigkeit erlaubt. Aber, Herr Simon, ich appelliere von dem schlecht informierten Simon an den besser zu informierenden Simon. Ich erwarte, daß Sie das, was ich gesagt habe, nachprüfen, und ich erwarte von Ihrer Loyalität, daß Sie es richtig stellen. 217