Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 223)
- Language
- German, English, Hebrew
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Mitglied der Exekutive Dr. Arthur Ruppin (mit stürmischem Beifall und Händeklatschen begrüßt, spricht deutsch): Mit großem inneren Widerstreben ergreife ich hier das Wort. Ich empfinde den schreienden Gegensatz von dem, was wir hier reden, und von dem, was wir tun sollten, was die Stunde von uns erfordert. Seitdem ich Palästina verlassen habe, seit einigen Monaten, bemühe ich mich in Versammlungen und in Gesprächen mit einzelnen Zionisten klarzumachen, wie ernst unsere Lage in Palästina ist, daß jede Stunde von Wichtigkeit ist für das, was wir unterlassen, daß es der gewaltigsten Anstrengungen bedarf, wenn wir in dieser historischen Stunde unsere Pflicht erfüllen wollen. Ich sehe zu meinem Schmerze, daß diese Ermahnungen sehr wenig gefruchtet haben, daß das Werk der Selbstzerfleischung weitergehen will. Ist es wirklich nötig, daß das, was in zahlreichen Artikeln und Zirkularen schon erörtert worden ist, hier von neuem breitgetreten wird? Wäre uns der Ernst der Stunde aufgegangen, so könnten wir hier nicht mit solchem Behagen vier Tage lang in einem Sumpf von Kleinlichkeiten herumplätschern. (Sehr richtig!) Wir unterstreichen fortgesetzt das, was uns trennt, und vergessen das, was uns nottut und uns allen teuer ist, nämlich Palästina, das auf uns wartet. Es ist ein falscher Auftakt, den dieser Kongreß gehabt hat. Ich schäme mich, wenn ich daran denke, welchen Eindruck es in Palästina machen wird, wenn die Berichte von unseren ersten Debatten nach Palästina gelangen. Dort sieht man sehnenden Auges auf unsere Verhandlungen, man erwartet, daß nach Jahren des Nichtstuns, nach Jahren des Druckes von hier aus das erlösende Wort gesprochen wird, die Parole zum Aufbau Palästinas, und was geben wir unseren Freunden dort? Steine statt Brot. Und welchen Eindruck wird es auf unsere Gegner machen, wenn sie unsere Verhandlungen lesen? Es fehlt uns nicht an Gegnern hüben und drüben, wie wir zur Genüge wissen. Wenn sie in diesem Kongreß nicht den Ausdruck eines einheitlichen, gewaltigen Volkswillens sehen, werden sie den Respekt vor uns verlieren, und einer der wichtigsten Aktivposten, den wir haben, wird verloren gehen. Ich hätte also sehr gerne geschwiegen und es tut mir leid, daß ich gezwungen bin, doch auf die Angriffe zu antworten, welche die Herren Simon und de Lieme auf die Mitglieder der Exekutive gemacht haben. Ich tue es nicht freiwillig, sondern gezwungen und in dem Gefühle, daß es schade ist, die Zeit des Kongresses damit so lange in Anspruch zu nehmen. Herr Simon hat die Mitglieder der Exekutive einzeln Revue passieren lassen und sie einzeln abgetan. Ich gebe Herrn Simon das volle Recht der Kritik, speziell was meine Person betrifft. Er hat das Recht, mich für unfähig und untauglich zu halten. Aber diese Kritik des Herrn Simon steht in klaffendem Gegensatze zu dem, was er als Mitglied der Exekutive und der Reorganisationskommission getan hat. Damit Sie dies verstehen, bin ich zu meinem Bedauern genötigt, in einige Details, die meine Person betreffen, einzugehen. Als ich im Frühjahre vorigen Jahres nach mehr- 213