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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 206

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 206 (sequence 216)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Herr Simon meint, man müsse Nachsicht und nicht Psychologie verlangen. Er irrt, denn auch die Menschen sind eine Tatsache, mit der man rechnen muß. Herr Simon hat die Wahl, ob er mit den ihm zur Verfügung stehenden Menschen etwas anfangen kann oder ob er imstande ist, sie zu ändern. Wenn er sich durchaus nicht auf die Psychologie einlassen will, so wird seine Methode mit einem großen Minus belastet sein. Heute kommt es nämlich vor allem darauf an, ob man mit dem gegebenen Menschenmaterial etwas anzufangen versteht. Systeme liegen auf der Straße. Daher werden wir von der Exekutive vor allem verlangen, daß sie uns sagt, wem sie die einzelnen Ressorts übergeben will, wie sie sich die Arbeit denkt, ausgedrückt in Persönlichkeiten, die an der Spitze der einzelnen Ressorts stehen. Wir werden bei der Zusammensetzung der Exekutive sehr stark sein müssen und ohne alle Sentimentalität nur eine solche Zusammensetzung annehmen dürfen, die eine auf einheitlichen Grundsätzen aufgebaute Arbeit der Exekutive garantiert. Es darf nicht geschehen, daß zum Schluß aus Verlegenheit der große Versöhnungsmischmasch kommt, wo alles sich um den Hals fällt und man denkt, jetzt ist die Einigkeit da, dann nach zwei ^Tagen haben wir wieder die alten Zustände, die Intriguen bleiben. Das ist unmöglich, wenn jeder weiß, wo er hingehört. Bei der Reorganisation brauchen wir völlige Trennung zwischen der Verwaltung in Palästina und der Geldbeschaffung. Das sind zwei durchaus verschiedene Dinge. Ein Freund Simons sagte mir, Herr Simon ist ein ausgezeichneter Zionist cif Jaffa. (Lebhafte Heiterkeit.) Nun brauchen wir aber auch ausgezeichnete Zionisten fob London. (Erneute Heiterkeit!) Wesentlich ist, daß die von uns für bestimmte Tätigkeiten eingesetzten Menschen sich auf ihr Tätigkeitsgebiet beschränken. Es ist für uns unerheblich, ob etwa Dr. Ruppin Fehlurteile über zionistische Fragen des Galuth abgibt, da wir wissen, daß er nie den Anspruch erheben wird, in Galuthfragen seine Meinung durchzusetzen. Tadelnswert bei Simon und de Lieme war der Versuch, ihre Kritik der Verwaltung mit einer Kritik der zionistischen Anschauung zu verbinden. Dadurch haben diese beiden Männer jede sachliche Kritik an der Verwaltung erstickt. Lesen Sie, Herr Simon, Ihre Debatten mit Wolfsohn: Wenn Sie bessern wollen, können Sie eine Hoffnung auf Erfolg nur haben, wenn Sie es aufgeben, von außen her zu dekretieren. Eine Aenderung werden Sie nur dadurch erzeugen, daß Sie die Menschen, die unter Ihnen arbeiten, dazu bringen, an sich selbst die höchsten Anforderungen zu stellen und es sorgfältigst unterlassen, Fehler der Verwaltung auf Kosten irgend einer zionistischen Gesinnung zu setzen. Ihre Stellungnahme gegen eine bestimmte Auffassung des Zionismus hat es erreicht, daß man in Palästina ängstlich bemüht war, Fehler zu cachieren aus Furcht, daß Fehler der Wirtschaft auf Rechnung der Gesinnung gesetzt werden würden. Kritik der Geschäftsführung und jüdisch-nationale Politik haben nichts miteinander zu tun. Gerade in Arbeiterkreisen ist das Bedürfnis nach strenger Selbstkritik und nach sachlicher Kritik unserer Geschäftsführung sehr stark Dieses Bedürfnis ist durch das Auftreten Simons und de Liemes zweifellos eingebüßt worden, da Simon und de Lieme so taten, als ob die Kritik des wirtschaftlichen Aufbaus nur eine Angelegenheit der ihnen nahestehenden gesinnungsmäßig einheitlich abgestempelten Gruppe sein könne. Simon sagt uns, die Palästinaarbeit dürfe in der Zionistischen Organisation nicht konzentriert sein. Diese Meinung zeigte, daß Herr Simon die Dinge fob London nicht gut versteht. Diese Auffassung setzt nämlich in Wahrheit eine ungeheure Bedeutung der Zionistischen Organisation voraus, die ihr Herr Simon, der sie doch für eine Zwergorganisation hält, nicht zuschreiben kann. Er sagt nämlich, die Zionistische Organisation solle die Führerin, das Kontrollorgan sein, aber nicht die ganze Palästinaarbeit selbst machen. (Delegierter Simon: Ich sprach nur von cif Jaffa!) Auch dort! Sie 206

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