Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 215)
- Language
- German, English, Hebrew
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teilung geben. Wir brauchen eine klare Richtung in der Frage der nationalen Propaganda, in der Frage des Aufbaues und der Verwaltung Palästinas. Es ist gesagt worden, daß die Herren Simon und de Lieme in einer neuen Exekutive mitarbeiten sollen. Man kann sich das vorstellen, aber nur dann, wenn man vorher weiß, nach welchen grundsätzlichen Anschauungen die Exekutive arbeiten wird. Man kann sich vorstellen, daß Menschen anderer Anschauung auf ihrem Platze arbeiten, den ihnen ihr Ressort zuweist, aber dann in dem Bewußtsein, daß sie nicht hinein zu reden haben in die einmal festgelegte Richtung der Gesamtexekutive. Diese Ressorteinteilung wird uns auch Beamte der Organisation schaffen, wie wir sie brauchen. Was uns in Palästina vor allem fehlt, ist ein wirklicher Beamtenstand. Die Beamten müssen alles tun, um die von der Exekutive verlangten Maßnahmen zu fördern, unbeeinflußt von den Gegenströmungen, die es im Lande gibt. Wie war es bisher? Jeder versuchte, die Beamten in seinem Sinne zu beeinflussen, und die Beamten wußten oft nicht einmal genau, wem sie eigentlich verantwortlich sind. Beamte, wie wir sie brauchen, werden wir nur finden, wenn ihre Stellung ein für allemal eindeutig festgelegt ist. Falsch wäre es, den Beamten in ihrer Beamteneigenschaft einen Vorrang in der Organisation zu geben. Hüten Sie sich aber, aus den Beamten Zionisten minderen Rechts zu machen! (Sehr richtig!) Erst degradiert man diese Menschen und dann beklagt man sich darüber, daß sie charakterlose Schamaschim sind. Beamte müssen die besten Menschen unserer Bewegung werden. Durch die jetzt bestehenden Zustände haben Sie erreicht, daß wir jedem wertvollen Menschen, den wir brauchen, zum mindesten versprechen müssen, daß er Mitglied der Exekutive wird, weil er sich sonst degradiert fühlt, weil er nicht glaubt, als Beamter einer gewählten Exekutive eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung ausfüllen zu können. Wir brauchen Beamte mit wahrhaftem Staatsgefühl, und nur der kann, ein brauchbarer Beamter werden, der ein guter Zionist (lebhafte Zustimmung!) ist. Möglich, daß wir heute viele schlechte Beamte haben. Kommen Sie zu dieser Feststellung, dann werfen Sie diese Menschen, die übrigens keinen Anspruch auf Pension haben, auf der Stelle hinaus. Aber hüten Sie sich, unseren Beamtenstand herabzuwürdigen, weil Sie schlechte Beamte gefunden haben. Sie werden dann keinen guten mehr finden. Ich habe übrigens den Eindruck, daß man gerade gegen solche Beamte vorgehen möchte, die ihre Pflicht erfüllen, daß man die guten Beamten für schlecht hält, wenn sie sich jedem gegenüber an ihre Instruktionen halten. Wenn z. B. ein hervorragendes Aktions-Comiteemitglied an der Saaltür nach seiner Legitimation gefragt wird, muß es sich über die Pflichttreue unserer kleinen Ordner freuen. Das Aktions-Comitee zeigt, daß es für den wirklichen Aufbau und für die Aufgabe der zionistischen Beamtenschaft nicht reif ist. wenn es den kleinen Beamten sagt: Wißt Ihr nicht, wer ich bin? (Zustimmung.) Wir wollen freie Bahn für die Reorganisation schaffen. Legale Verhältnisse sind die erste Voraussetzung. Schaffen wir sie! Und wenn dieser Kongreß beschließen sollte, daß Simon Präsident der Organisation wird, dann können wir dies wohl leidenschaftlich bekämpfen, aber wenn er einmal gewählt ist, wird jede Minorität verpflichtet sein, in diesem Jahr unter allen Umständen seinen Weisungen zu folgen. Wegen der Reorganisation hat Herr Simon verschiedenes vorgebracht. Ich habe den Eindruck, er, der sich gegen die Theoretiker wandte, ist ein sehr guter Theoretiker der praktischen Arbeit. Er hatte Gelegenheit zu arbeiten und Reformen durchzuführen. Wo sind seine Erfolge? Die Memoranden in den Schreibtischen sind zwar stumm, sind aber nicht jene stummen Taten, die Herr Simon verlangt. Seine theoretischen Vorschläge sind genau so Vorschläge wie alle anderen, und er sollte sich dabei hüten, von der Priorität seiner Vorschläge zu sprechen. Es kommt bei diesen Vorschlägen nicht auf den Gedanken, sondern auf die Beeinflussung an. 205