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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 202

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 202 (sequence 212)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Wenn ich ein paar Worte über Wirtschaftsfragen sprechen darf, so möchte ich hier in Wiederholung dessen, was von vielen Seiten gesagt worden ist, an die Spitze meiner Ausführungen stellen, daß wir das Vertrauen des jüdischen Volkes nur erwerben, oder besser, wieder herstellen, wenn wir eine ordnungsmäßige Wirtschaft einführen, wenn wir die Budgets strenge kontrollieren, wenn wir Sparsamkeit einführen und uns in Bezug auf die Beamtenschaft den allgemeinen Grundsätzen anschließen, die hier schon mit dem Worte Inkompatibilität bezeichnet wurden. (Delegierter Dr. Rosenberg: Und im Binjan-Haarez nicht mehr verdächtigen!) Das alles ist nötig zur Erlangung des Vertrauens und ohne Vertrauen gibt es keine Mitarbeit. Es ist noch zu sprechen von der Finanzgestaltung. Man legt in der Zionistischen Organisation großen Wert auf die Ausgestaltung unserer Fonds. Das ist gut und richtig. Man überschätzt aber die Fonds und kommt so zu einer Omnipotenz der Fonds, in dem Glauben, alles durch den Keren Hajessod gut zu machen. Der K e r e n H a j e s s o d ist für uns eine große, schöne Sache, wenn wir uns auch die Freiheit vorbehalten, ihn hier zu kritisieren. Man ist darum kein schlechter, sondern ein guter Zionist. Diejenigen sind schlechte Zionisten, die blindlings alles hinnehmen, was die Leitung verfügt, und nicht ihre Kraft dazu verwenden, zu bessern, wo sie es können. (Zustimmung.) Das Recht der Kritik lasse ich mir nicht nehmen. Wie Jabotinsky gesagt hat, ich mache keine Konzessionen. Was ich für einen groben politischen Fehler halte, werde ich kritisieren, so lange ich kann, so lange ich Falsches sehe, habe ich das gute Recht, es hier und in der Presse richtigzustellen. Der Keren Hajessod, sage ich, ist gut, aber man darf nicht verlangen, daß er alles tut. Der Keren Hajessod kann seiner ganzen Anlage und Bestimmung nach nur das ersetzen, was in andern Fällen der Staat oder die kolonisierende Gesellschaft macht. Er wird aber niemals dazu führen, eine Wirtschaft aufzubauen, eine Volkswirtschaft entstehen zu lassen, um den einzelnen Individuen eine Existenz zu geben. Das sind Dinge, die man eben — mögen Sie das Wort hören können oder nicht — der Privatinitiative der Einzelnen überlassen muß. Diese kann sich in Erez Israel vollziehen. Es gibt Möglichkeiten der Selbsthilfe und ich habe zu meiner Freude gehört, daß man selbst daran denkt, sich wirtschaftlich zusammenzutun. Das ist zu begrüßen, das ist eine Erziehung zur Selbständigkeit und das steht im Gegensatze zu dem System der Subventionierung. Subventionierung aber muß nicht nur zum finanziellen Ruin führen, sie muß destruktiv wirken und muß die Leute zu einer neuen C h a 1 u k a führen. Förderung der Selbsthilfe ist also hier anzubahnen und man muß auch anstreben, daß von außen Unternehmungen in das Land gebracht werden. Auch hier kann ich sagen, daß viel von Privatinitiative, für und gegen gesprochen wird, aber ich höre von der Leitung weder eine Parole, noch eine Stellungnahme. Da liegt eine Aeußerung Jabotinskys vor — er ist leider nicht hier. Das tut mir leid. Er hat von dem dicken Buche gesprochen, das er zu Ende gelesen haben will, in dem von der politischen Oekonomie etwas steht. Ich glaube, er ist auch nicht über die ersten Seiten gekommen, wenn er z.B. von Spitälern und Schulen spricht als von Institutionen, die man nicht mit Privatinitiative machen kann. Wenn ich bei Jabotinskys eigenen Worten bleiben darf, so muß ich sagen: er hat das Buch der politischen Oekonomie nicht zu Ende gelesen, andere Bücher hat er gar nicht gelesen, und er sollte seine Nase in ein Buch über Nationalpolitik stecken; das wäre sehr nötig gewesen. Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Sie dürfen diese Form mit Bezug auf einen Delegierten nicht gebrauchen. 202

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