Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kongreß vor der Tür steht, ob man da auch jeden, von dem man Schekel fordert, fragt: „Bist Du ein schwacher oder ein vollwertiger Zionist?" Was man in der Not des Wahlkampfes tut, ist ein ganz richtiges Prinzip, daß Sie auch stets befolgen müßten. Herr M o t z k i n verlangt ein wirkliches Bekenntnis. Wir auch. Aber ich glaube, die äußeren Verlockungen, das Baseler Programm zu unterschreiben und in der Zionistischen Organisation mitzuarbeiten sind nicht so groß. Wer sich meldet, kommt ja schon aus einem innern Drange zu uns. Ein weiteres Bekenntnis können wir nicht verlangen. Reicht denn dies sachlich nicht aus? Gibt es denn eine nationalere Arbeit und Aufgabe und Gruppierung als die um den Aufbau von Palästina? Hat man je daran gezweifelt, daß der Aufbau von Palästina die nationale Tat ist, der wir zusteuern, daß wir nichts anderes erstreben, als Palästina wieder aufzurichten und damit alles tun, um das Leben und die Existenz, die materielle Grundlage und die geistige Förderung des jüdischen Volkes zu sichern? Es ist doch der höchste Nationalismus, die Erfüllung unseres Baseler Programms. Ich glaube also sagen zu können: zurück zum alten Baseler Programm! Damit sind die Tore weit geöffnet, die zu uns führen. Sie sehen, daß im jüdischen Volk die Stimmung für unsere Sache vorhanden ist. Die Sehnsucht und das Streben mit uns zu arbeiten, ist stark und allgemein. Stoßen wir die Leute nicht künstlich von uns, dann kommen sie zu uns. Fangen Sie an, machen Sie den Versuch und Sie werden dieselben Erfolge haben wie wir, nämlich positive Erfolge. (Widerspruch und Ruf: Wo sind Ihre Erfolge?) Ich lasse mich bei beschränkter Redezeit nicht darauf ein, das zu sagen, was Sie hören wollen; ich sage, was ich zu sagen habe. Unsere Erfolge können wir Ihnen überall auch außerhalb des Kongresses zeigen. Herr Motzkin hat rührende Worte für die schwere Not der Judenschaft im Osten gefunden und er hat Worte der Sympathie gesprochen, die wir alle nur billigen können. Es fällt niemandem ein, die schwere Not der Juden im Osten zu verkennen. Wir erkennen alle an und ich persönlich gewiß, daß es eine unbedingte Notwendigkeit ist, in den Ländern mit jüdischer Massensiedlung jüdische Landespol i ti k zu treiben. Ich erkenne freudig an, daß diese Politik gut und richtig ist. So lange ich im Osten lebte, habe ich mich an dieser Politik aktiv beteiligt. Aber dies schränkt nicht das ein, was ich vorhin gesagt habe. Es ist etwas anderes, diese Politik machen, verstehen und billigen, als sie zur offiziellen Parole des Zionismus zu erheben. Wollen wir den Zionismus zur Partei des Aufbaues Palästinas machen, zur großen jüdischen Volksbewegung umgestalten, dann dürfen wir ihn nicht mit so differenziellen Anforderungen belasten. Es soll jeder sich national in der Landespolitik betätigen, nur nicht die zionistischen Organisationen als solche. Die zionistische Weltorganisation soll dafür keine Weisungen geben und sich nicht einmengen. Auch H e r z 1 war immer gegen eine jüdische Landespolitik, die von zionistischer Seite aus getrieben wird, gegen eine Vermengung der Politik der Organisation mit der Politik innerhalb der Länder. Daraus folgt, daß man nicht solche Beschlüsse fassen sollte wie in Kopenhagen und daß man nicht allgemein verbindliche Weisungen herausgeben sollte. Vorgestern wurde gesagt, daß der Kopenhagener Beschluß illegitim war. Wenn dem so ist, gut, sonst würde ich beantragen, ihn aufzuheben. Verquicken Sie nicht den Aufbau Palästinas, die große zionistische Arbeit mit der Landspolitik, die sich von Fall zu Fall in jedem Lande anders gestaltet. Das kann nur schaden. Geben Sie das auf und kommen Sie zum Gesamtbegriff des jüdischen Volkstums! 201