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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 194

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 194 (sequence 204)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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jüdisch gewesen wäre. Er war aber ebenso antijüdisch wie die Reformbewegung, und in dieser Beziehung unterscheidet er sich gar nicht von der religiösen Reformbewegung. Hier predigte der Cohen im reich vergoldeten Tempel die Auflösung des Judentums, dort hat der Proletarier eine Rede gehalten; der Sinn war aber derselbe. Das war die amerikanische Entwicklung in den letzten 40 Jahren. Sollte da ein Wunder geschehen? Diesen Prozeß mußte man in Amerika durchmachen. Es war sehr schwer, das amerikanische Judentum zu erwecken. Der Prozeß der Wiedererweckung der Toten kann nicht in einem Moment geschehen. Und wenn der Prophet Jecheskiel eine Vision sah, in der die Toten lebendig wurden, ihre Gebeine Haut, Fleisch, Blut und Adern bekamen, so geschah dies auch nicht in einem Augenblicke. Diesen Prozeß hat auch das amerikanische Judentum durchgemacht und darin liegt das Geheimnis der amerikanischen Umwälzung. Ihre Führer waren Anhänger der Reform. Inzwischen sind aber die Massen aus dem Todesschlaf erwacht, und hieraus entstand der Konflikt zwischen Massen und Führern. Die Geschichte kennt keine Wunder. Weder W e i z m a n n, noch Ussischkin, noch L e v i n haben dieses Wunder vollbracht, sondern die natürliche Entwicklung der Dinge. Damals habe ich mit Herrn Lipsky, dem aktivsten Mitgliede, gesprochen und ihm gesagt: Es muß zu einem Zusammenstoß zwischen den Massen und ihren Führern kommen. Und er ist gekommen. Noch eine zweite Seite der Sache muß man verstehen. Glauben Sie, daß jene Führer das amerikanische Judentum in der Tasche haben? Daß, wenn sie es wollen, wir Geld erhalten, und, wenn sie es nicht wollen, wir keine Mittel bekommen? Das Gegenteil ist der Fall; nicht die Generale geben das Geld, sondern die einfachen Soldaten. Ich komme nun zum wichtigsten Punkte, das ist San R e m o. Was für einen Wert hat die Balfour-Deklaration, was für einen Wert hat San Remo? Man vergißt den großen Wert der Balfour-Deklaration und zwar deshalb, weil wir selbst unsere Seele profaniert haben. Wir haben den Schwung verloren. (Rufe: Und die Pogrome?) Ich höre den Zwischenruf: Durch Pogrome und Jaffa. Darauf antworte ich: In San Remo wußte man noch nichts von Pogromen in Jaffa. Man spricht von der Schaffung einer jüdischen Legion. Ich sage: Wenn wir statt der. 8000 Chaluzim 40 000—50 000 ins Land gebracht hätten, hätte es in Jaffa keine Pogrome gegeben. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich auch mit den Projekten unseres greisen N o r d a u nicht einverstanden bin, so finde ich doch, daß er in der Theorie recht hat. Wir haben nichts getan. 40 000 Chaluzim hätten uns Schutz und Ehre gebracht, der Oelberg hätte eine andere Sprache geführt, die arabische Delegation wäre in Jaffa und Haifa geblieben und hätte die Reisekosten nach London gespart. Wir kämpfen nicht gegen die Personen in Amerika, sondern gegen das System. Ich kann verstehen, daß man Bauprojekte entwirft, aber in einem Projekt für das Nichtbauen sehe ich keine Weisheit. Es ist jetzt die Messiaszeit angebrochen, die Geulah, und ein ganzes Jahr lang feilschte man zwischen New-York und London um einen 20 % igen Rabatt vom Messias. Wir aber sagen, der Messias ist uns zu teuer, als daß wir von ihm einen Rabatt verlangen wollten. Jetzt würden uns die 40 000 Chaluzim das Dreifache kosten, selbst wenn wir sie ins Land bringen könnten. Als wir nach Amerika kamen, herrschte dort Feststimmung. Sie sagten, sie fühlten sich erst jetzt als freie Menschen und seien uns dankbar, daß wir sie von ihren Führern befreit haben. Amerika hat seine Pflicht getan. Das Volk ist erwacht. Hier sitzen die besten Vertreter des amerikanischen Judentums. Ihr wißt, daß es im amerikanischen Leben ein Wort gibt, das im Hebräischen „Achisath enajim" heißt und englisch „Bluff", d. h. wenn der Kaufmann in seinem Schaufenster gute Waren ausstellt, im Geschäft aber schlechte anbietet. Jetzt aber haben wir die richtigen Vertreter. 194

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