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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 195

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 195 (sequence 205)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Wir sind ein Volk von Balebattim, von Kaufleuten und Söhnen von Kaufleuten. Ich habe die Menschen in Amerika 15 Jahre lang beobachtet. Sie haben gehungert, gelitten für die zionistische Sache, verhöhnt, mißachtet waren sie wegen des Wortes Zion. Das Judentum in Amerika ist genau dasselbe wie in Osteuropa. Es ist doch nicht unsere Schuld, daß zwischen uns und Amerika der große Ozean liegt. (Heiterkeit.) Man muß nur die Scheidewand zwischen uns und Amerika entfernen. Sagt Euch los von der Notablenwirtschaft, die Euch nur genarrt hat. (Lebhafter Beifall. — :Del. Fischer: Vor zwei Jahren haben Sie anders gesprochen!) Ich habe wohl anders gesprochen, aber ich bin auch imstande, mich zu ändern. Sie aber, Herr JFischer, sind es nicht. Ich komme jetzt zum zweiten Teil meiner Rede. Ich danke Ihnen; •sehr, daß Sie mich von der Ehre befreit haben, dort oben, wo die Exekutive jetzt sitzt, sitzen zu müssen. Ich hoffe, ich werde ein freier Mann bleiben. Die Herren dort oben hatten schwere Arbeit zu leisten. :Sie haben dmrch die Uebernahme der Führerschaft große Opfer gebracht. Ich weiß nicht, ob man sie nach zwei Jahren wieder erkennen wird, wenn sie wiedergewählt werden. Bei ihrer Arbeit handelt es sich um Leben und Tod. Wie söhr wurde ihr Leben in der letzten Zeit verbittert, nicht hier;auf dem Kongreß, aber in der Zeit zwischen dem letzten Kongreß und dem heutigen. Man spricht von Cheschbon Hanefesch (Bekenntnis der Seele). Heißt «dies aber, die Seele des andern zum Bekenntnis zwingen, oder heißt es, daß jeder mit seiner eigenen Seele ins Reine kommt? Weizmann :hat seinen Kritikern auf der letzten Jaftreskonferenz zugerufen: Jüdisches Volk, was hast Du getan? Und ich rufe Euch zu: Er enn de, Ihr« die Ihr das jüdische Volk vertretet, was habt Ihr g.eitan? Alle Ausflüchte werden Euch nichts nützen. Nicht Politik., nicht Oekonomie soll Euer Ziel sein, sondern einfache praktische Arbeit! Das soll der Cheschbon Hanefesch sein. Wenn Ihr die Leitung wieder wählen werdet, gebt ihr die Kraft zur Arbeit. Aber nichts wie in den vergangenen Jahren. Sie werden Euch nur das zeigen, was. Ihr geleistet habeiti werdet. Ich gebe Euch ein Beispiel von unseren Arbeiten in Amerika. Womit sind wir nach Amerika gekommen? Mit den Pogromen in Jerusalem und Jaffa, mit einer Wüste. Das war unser Aktivposten. Und Ich müßte mit Jeremia sagen: jüdisches Volk, ich erinnere mich an die Wohltat, die Du mir tatest, als Du mir in die Wüste folgtest. Der Aufbau Palästinas ist keine bloße Geldfrage. Kein Kaufmann gibt gern sein Geld her, ob es nun Dollar oder Mark sind. Ich verstehe, daß mein Freund Podliszewski trotz schwerer Arbeit in Polen keine genügenden Mittel für den Keren Hajessod erhält. In Geldangelegenheiten werden wir nicht nur die Konkurrenz mit Amerika, sondern nicht einmal mit Deutschland aushalten können, wenn der Messiasfunke in den jüdischen Herzen fehlen wird, der unseren Eltern Tränen erpreßte. Säget nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen! Spielet nicht mit dem Diaspora- Nationalismus! Ich will Euch ein Beispiel wahrer Begeisterung geben. In den drei heißesten Sommermonaten gingen wir nach New York. Die Hitze war so unerträglich, daß unsere Chaiuzim in Jaffa, wären sie nach New York gekommen, die Palästinensische Hitze der New Yorker vorgezogen hätten. Es war eine übermenschliche Arbeit. Es war das erste Mal in der Geschichte, daß man in New York im Sommer Veranstaltungen abhielt. In der kurzen Zeit von 3 Monaten haben wir mehr gesammelt, als die alte Leitung in 1% Jahren. Die New Yorker Aerzte, deren Aufgabe bis dahin nur darin bestanden hatte, Kranke zu heilen, haben zum ersten Mal auch die Notwendigkeit der Heilung des kranken jüdischen Körpers empfunden. Weizmann, Einstein und meine Wenigkeit haben zur Organisierung der Aerzte beigetragen und das Ergebnis war die medizinische Fakultät an der hebräischen Universität in 13* 195

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