Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 201)
- Language
- German, English, Hebrew
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ernstes Prinzip vertreten, wie wir es von einer Reihe von ihnen wissen, dann müssen und sollen sie sich zusammentun und wir werden früher oder später mit ihnen zusammengehen, ehrlich und offen, wir werden Mittel und Wege finden, um mit den Leuten zusammenzuarbeiten, die nicht in unserer Mitte sind. Aber daß wir uns, die wir zweifellos den Willen der überwältigenden Mehrheit vertreten, in unserer eigenen Bewegung gerade von jenen führen lassen sollen, die unser Programm verleugnen, nimmermehr. Das ist eine seelische Unmöglichkeit. Wir können nicht von denen geführt werden, welche uns im Grunde prinzipiell zerstören. Das sollen sich alle diejenigen gesagt sein lassen, welche geheime Hoffnungen hegen, daß wir sehr bald eine Einigung im Zionismus erzielen können. Sind wir doch im Herzen von dem Wunsche beseelt, die große Zionistische Organisation mit sämtlichen ihren Teilen, mit sämtlichen Nuancen, mit möglichst allen Kräften zu erhalten. Wir alle denken: Bei gutem Willen wird es vielleicht gehen, und man wird den Riß abschaffen, man wird nur ein bißchen nachgeben, dann werden jene Männer, welche in unserer Mitte sich heute nicht befinden, anders werden. Nein, ich fürchte, daß wir auch in Zukunft noch manche Enttäuschung nach dieser Richtung hin erleben dürften, nämlich dann, wenn das große Examen kommt, das uns bevorsteht. Vergessen wir nicht, daß unser ganzes Ideal in seiner Integrität jetzt bedroht wird. Auch die Assimilation rüstet und organisiert sich. Es sammeln sich auf allen Seiten die assimilatorischen Kräfte, sie konzentrieren sich zu einer gmeinschaftlichen Front, deren Aufbau mir wenigstens jetzt schon klar ist. Ich, der ich innerhalb des gesamten jüdischen Lebens im Kampfe gegen die Assimilation stehe, kann und muß Ihnen abermals sagen, wie ich es schon seit einem Jahre sage: Nicht allzufern ist die Zeit, da diese Sammlung drohend und vielleicht auch mächtig zum Ausdruck kommen wird. Dann wird es sich zeigen, wo der jüdische Wille ist, in welchem Lager jene Männer sind, ob sie wirklich m i t dem jüdischen Volk gehen oder nicht, ob ihnen das nationale Dasein des jüdischen Volkes teuer ist oder nicht. Hierin wird die große Probe sein. Da wird nicht mehr die große Frage sein, ob alle diejenigen, die sich zum Zionismus zählen, ein formales, oder ob sie ein wirkliches Bekenntnis haben. Denn da wird es sich um das wirkliche Bekenntnis handeln. Hier ist die Kluft, die zwischen uns liegt. Ich kann leider wegen Beschränkung der Zeit auf diesen Punkt nicht ausführlich eingehen. Ich kann Ihnen nicht meine allgemeinen Wrorte durch konkrete Angaben belegen, obschon mir diese Belege in ungeheurem Maße zur Verfügung stehen. Es gibt eben, trotz der durch den Zionismus und die andern nationalen Organisationen im Laufe von Jahrzehnten durchgeführten Erziehung auch heute noch zwei jüdische Welten: Die Welt, welche die jüdische Nation bejaht und ihre Existenzberechtigung unter allen Umständen verficht, und die Welt, welche in der Bejahung der jüdischen Nation ein Hindernis für ihre ganzen Auffassungen des jüdischen Lebens, eine Bedrohung ihrer eigenen rechtlichen Existenz erblickt und auch vor allen Dingen nicht das Feuer des nationalen Daseins erlebt. Denn woher entstammt unser ganzer Enthusiasmus, wenn nicht aus der Wärme, aus dem Feuer, welches uns die nationale Idee einflößt? Dies ist der Grund, warum w i r mit solchem Eifer auch in Palästina gewisse Positionen bis aufs Aeußerste verteidigen, warum andererseits denen, die nicht vom nationalen Geist durchdrungen sind und die im Zionismus nur äußerlich ein großes Unternehmen erblicken, die Inhibierung mancher Aktionen, mancher Institute so leicht wird. Ich will es durch ein Beispiel exemplifizieren: Auch wir sind nicht so starrsinnig, daß wir uns nicht fragen sollten, ob es gerechtfertigt sei, daß die Zionistische Organisation im Vergleich zu den andern Leistungen in Palästina verhältnismäßig so 191