Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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hervorgehoben, außerhalb der zionistischen Einflußsphäre bemerkenswerte Organisationen und bedeutende jüdische Institute, sowie mächtige jüdische Persönlichkeiten, welche, ohne die Grundlage des Zionismus anerkennen zu wollen, bereit sind, für Palästina zu arbeiten. Nun kann es keine Frage sein, daß man alle diese Leute anfeuern, ihnen entsprechende Tätigkeitsgebiete für und in Palästina verschaffen soll. Aber wissen Sie, wann man das tun kann? Wenn die eigene Organisation und Bewegung einen geschlossenen, organisierten, durchdachten Charakter trägt, wenn man die Propaganda erlebt und durch sie Leben bringt. Sonst können wir das hier nicht leisten. (Zustimmung.) Man wird uns sonst gar nicht glauben, und jedes Vertrauen zu uns verlieren, wenn wir in unseren unausgesetzten Kundgebungen, unsere Vergangenheit verleugnen möchten. Stellen Sie sich diesen Augenblick vor, daß wir die nationale Begründung des Zionismus aufgeben und die Propaganda auf eine rein formale Begründung einstellen. Glauben Sie, daß dann der Kampf auf der anderen Seite aufhören wird? Die richtige, wirklich empfundene und erlebte Assimilation fürchtet die Palästinaarbeit in jeder Form und muß sie fürchten und wird deshalb auch die in ihrer Begründung völlig eingeschränkte zionistische Propaganda bekämpfen müssen. Welche Waffe wird ihr aber dadurch gewährt, daß unsere Organisation den Ideenkomplex, den sie Jahrzehnte lang vertreten hatte, nun plötzlich modifiziert? Wenn wir uns selbst treu bleiben und deshalb innerlich stark sein wollen, wenn wir andererseits Vertrauen zu unserer Gesinnung und auch zu unserem Ziel erhalten wollen, dann darf die Bewegung mit ihren herrlichen idealen Perspektiven nicht im mindesten in ihrer Begründung leiden oder angetastet werden. Es ist auch nicht notwendig, daß wir uns in den andern auflösen oder die andern in uns sich auflösen sollen, solange sie tatsächlich im Geiste von uns entfernt sind. Wir können aber, um die zionistischen Bestrebungen zu erringen, offen und ehrlich einen großen Kreis von nahestehenden oder verbündeten Elementen schaffen, welche unsere programmatischen allgemeinen Auffassungen durchaus nicht zu teilen brauchen, die außerhalb unserer Organisation stehen, die aber gemeinsam mit uns, soweit es möglich ist, arbeiten. Auch in die praktischen Anstalten können und sollen die andern gehen, welche für Palästina arbeiten wollen. Dazu werden wir Wege finden. Und nun zum Schluß noch eines: Auf vielen von uns lastet das Bewußtsein der schmerzlichenTatsache, daß aus dem amerikanischen Zionismus und aus dem Zionismus einiger anderen Länder infolge der letzten inneren Konflikte verschiedene Männer weggegangen sind, die jetzt nicht in unserem Lager für den Zionismus arbeiten, sondern ein eigenes Lager für Palästina schaffen. Zweifellos ist für jeden von uns diese Erscheinung ein schweres Erlebnis, welches vor allen Dingen so viele herrliche Erinnerungen zerstört. Auch ohne der Sentimentalität zu verfallen, will ich gar nicht den Wert der Imponderabilien, welche in Erinnerungen oder in dem, was man Traditionen nennt, leugnen. Außerdem sehe ich auch all die negativen Momente und Schattenseiten der in der Bewegung einzigartigen Spaltung. Einzigartig nenne ich diese Spaltung deswegen, weil zum erstenmale ein so bedeutender Teil der zionistischen Scharen in organisatorischer Form die Disziplin des Kongresses nicht anerkennt, vor allen Dingen in der gefährlichsten Form nicht anerkennt, indem er sich vom Kongreß fernhält. Diese Minorität glaubt, daß sie sich aus den angeführten Gründen oder gar im Interesse des Zionismus der Majorität und selbst der höchsten Instanz der zionistischen Organisation, dem Kongreß, nicht fügen kann. In einem solchen Falle muß ich klar und bündig sagen, daß die zeitweilige Spaltung — denn nur als eine solche kann ich es betrachten — für uns und für jene besser ist. Wenn es wirklich ernste Männer sind, woran ich nicht zweifeln will, und wenn sie wirklich ein 190