Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 199)
- Language
- German, English, Hebrew
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jetzt bevorstehende grandiose Aufbauarbeit des Zionismus muß durch eine ungeheure, durch eine einzigartige Propaganda geschaffen werden. Sagen Sie mir, wie glauben Sie, soll diese Propaganda überhaupt zustande kommen? Worauf, auf welcher programmatischen Basis soll sie begründet sein? Glauben Sie, daß es eine Propaganda dieser Art, welche die ganze jüdische Welt in Bewegung setzen soll, geben kann, die nur aus ein paar formalen Sätzen bestünde? Denn wenn Sie nach dem Programm, welches Ihnen in der Jahreskonferenz vorgeschlagen und nachher in Amerika wiederholt wurde, eine opportunistische Rücksicht zwecks angeblicher Gewinnung aller Kreise für Palästina walten lassen wollen, so gibt es für die Propaganda nur eine formale Erklärung: Wir wollen Palästina bauen. Dann existiert aber nicht mehr das große Heer derer, die für die Propaganda ihr ganzes Wesen einsetzen wollen. Ein jeder von uns ist bis zum letzten Moment geneigt, um Palästina aufzubauen, auch den schärfsten Gegnern die größten Konzessionen zu machen, wenn er nur die Sicherheit hätte, daß er es auf diesem Wrege wirklich erreichen kann. Denn in der Propagierung unserer Idee, unseres unvergleichlichen Zieles, dessen, was Jahrzehnte von allen uns umgebenden Faktoren als Utopie hingestellt worden war, sind wir alle so müde geworden, sind wir alle des Erfolges so gierig geworden, daß wir von sogenannten Prinzipienreitereien wahrlich weit entfernt sind. Allein, wenn wir in das Leben, in das komplizierte jüdische Leben mit allen seinen assimilatorischen Widerständen hineinkommen, dann sehen wir, wie gerade das von gewissen amerikanischen Opportunisten aufgestellte Programm irreal ist. Denn jeder Widerstand, der zunächst von der Absicht ausgeht, möglichst große Erfolge zu haben und von vornherein zu dem größten Opportunismus geneigt ist, sieht sich im Leben recht bald zum Kampfe gezwungen; verliert er aber das heilige Feuer in sich, so verliert er auch die Wirkungskraft in jenen Kreisen, die für das große Ideal aufnahmefähig sind. Man kann nicht das Programm des Zionismus verkleistern, vertuschen, seiner Kampfparole berauben. Es nützt nichts, diese Parole überhaupt in den Hintergrund zu rücken. Als Zionisten sind wir einmal eine Kampforganisation, sonst existierten wir heute nicht. Die Form allein hätte uns nicht diszipliniert. Wenn wir trotz aller außerordentlichen Hemmnisse und Widerstände weiter existieren, so war es wahrlich um des Gehalts des Zionismus willen. Nun will ich aber festsetzen, wo und wann nach meiner Meinung der Kampf aufhört. Er kann nicht in der Begründung des Zionismus, wohl aber in der Begründung der Palästina-Arbeit bis zu einem gewissen Grade verschwinden. Denn Sie werden mit Recht an mich die Frage richten: Wie sollen wir uns dazu stellen, daß es Juden gibt, welche Palästina bauen wollen, ohne daß sie unser nationales, unser zionistisches Programm unterschreiben. Ich will gleich hinzufügen, daß diese Frage auch einen ethischen Sinn hat. Das Streben für Palästina ist für uns ein Resultat einer gewissen Lehre, welche wir Zionismus nennen und welche ein weitgehendes nationales Programm umfaßt. Ich gebe aber zu, daß es auch andere Elemente im Judentum geben kann, welche auf Palästina und die Tätigkeit in Palästina einen Anspruch erheben können. Nun glaube ich zwar nicht, daß die Frage, ob unsere Begründung selbst der Palästinaarbeit einen nationalen Charakter zu geben, die großen jüdischen Massen berührt. Darüber dürfen sich die zionistischen Reformer keiner Täuschung hingeben. Das jüdische Volk, soweit seine Massen in Betracht kommen, ist entweder ganz mit uns oder gar nicht. Wenn sie mit uns sind und mit unseren Auffassungen und Stimmungen sympathisieren, dann unterschreiben sie auch das nationale Programm, wenn nicht, dann helfen auch keine formalen Aenderungen. Dies, soweit die jüdischen Massen in Betracht kommen. Es gibt aber, wie schon 189