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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 187

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 187 (sequence 197)
Language
German, English, Hebrew
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hätte, wäre nur eine gewisse Verdichtung sentimentaler Erlebnisse, eine Ueberwindung, für welche ein jeder von uns in dem Momente der Entscheidung die Kraft in sich finden wird. Um aber zu einem solchen Entschluß zu kommen, muß man den andern Weg klar vor sich haben, und das Unglück war, daß diesen niemand während der Londoner Konferenz vor sich hatte, und ungeachtet dessen ging man an die Zerstörung der Organisation. Das war die ungeheure Gefahr, die uns aufscheuchte. Der vorgeschlagene angebliche Weg führe vor ein Vakuum, vor ein äußeres und inneres Vakuum. Wenn wir noch einigemal versuchen sollten, solche Propositionen in unseren Konferenzen und Kongressen vorzuschlagen, so würde es unmöglich sein, unsere Arbeit wenigstens im Rahmen der Organisation fortzusetzen. Damit eine so große Bewegung unter solchen Experimenten und vor allen Dingen mit solcher Begründung der Experimente ihre alten Möglichkeiten bewahren und noch neue erringen sollten, dazu gehörte in einem solchen Fall ein weit ausgearbeitetes und mit der Bewegung in Einklang gebrachtes neues Programm, nicht aber organisatorische Programmlosigkeit. Geehrter Kongreß! Ich weiß nicht und will nicht analysieren, wie es gekommen ist, aber es steht fest, daß die Londoner Konferenz den ganzen Zionismus und seine Wortführer um sehr viel kleiner gemacht hat, weil man auf dem Wege war, ein Lotteriespiel zu spielen. Man dachte: Wir werden durch das neue Mittel einige große Männer bekommen, von denen wir noch nicht wissen, ob sie überhaupt existieren, und diese werden uns die wirtschaftlichen Grundlagen für Palästina schaffen. Für ein solches Phantom war man bereit, die größten geistigen und psychologischen Konzessionen zu machen. Wie hätte ein solches Unternehmen ruhig verlaufen können? Es ist daher nicht verwunderlich, wenn daraus die persönlichen Kämpfe entstanden sind, welche von denen, die hüben und drüben gekämpft haben, offenbar sehr verschieden aufgefaßt wurden. Gestatten Sie mir, Ihnen ein Beispiel anzuführen. Für mich ist im letzten Jahre nichts so schmerzlich gewesen als die Tatsache, daß auch ich, der ich persönlichen Kämpfen mit aller Gewalt aus dem Wege gehen will, gegen das System B r a n d e i s und gegen seinen Schöpfer zu sprechen gezwungen war. Und wissen Sie warum? Weil ich Brandeis für eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in unserer Mitte halte, für eine moralisch besonders anziehende Persönlichkeit, die meine Verehung genießt, weil ich ihn aber leider heutzutage nicht mehr zu den stärksten, sondern zu den schwächsten Zionisten zähle. Es nützt nichts, daß wir eine bedeutende Persönlichkeit hatten oder haben, für uns gibt es im Rahmen der zionistischen Bewegung nur bedeutende Zionisten. Darnach messen wir unsere Leute. (Beifall.) Als ich im Jahre 1915 nach Amerika kam und mit einer gewissen Objektivität, welche ich mir zuschreibe, die Vorgänge zu beobachten mich bemühte (Delegierter Simon lacht: Objektivität?) — das Lachen ist ein sehr leichtes Ding und beweist nichts — und auch den großen Kampf mitmachte, der damals in Amerika mit dramatischer Leidenschaftlichkeit für das nationale jüdische Leben geführt wurde, den Kampf, der in der Idee des jüdischen Volkes den äußersten Gipfelpunkt hatte, bewunderte ich den Mann, der trotz seines vorgerückten Alters mit so heiligem Ernst in den Kampf sich gestürzt hatte, der seine ganze Persönlichkeit in den Kampf für den jüdischen Kongreß eingesetzt hatte. Ich dachte bei mir selbst: das wird vielleicht einer oder der Führer des Zionismus werden, und in diesem Gedanken war ich glücklich. Denn es gibt keine Demokratie der Welt, welche auf große Führer verzichten könnte. Große Führer sind stets etwas Großes für die Bewegung. Ich hoffte damals, daß dieser Mann wirklich voll und ganz, mit seinem ganzen Kopf und seinem ganzen Herzen zu uns kommen würde. Und daß ihn seine großen geistigen und moralischen Qualitäten und vor allen Dingen die Charakter- 187

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